Tenoraler Solitär
Den hundertsten Geburtstag von Anton Dermota (1910-1989) wollte die österreichische Firma Preiser wohl nicht abwarten, um den großen Tenor zu ehren, der mehr als vier Jahrzehnte lang Star und Stütze des Wiener Staatsopernensembles war. Auch der fünfundneunzigste erschien als ein guter Anlass, auf drei CDs Opern- und Liedaufnahmen des Sängers zu veröffentlichen, die diesen Zeitraum von vierzig Jahren umgreifen und Kontinuität und Entwicklung seines Künstlertums dokumentieren.
Jürgen Kesting hat Dermota in seinem Buch «Die großen Sänger» zu Recht ein eigenes Kapitel gewidmet, denn er war einer der Unverwechselbaren, als Stimme wie als Interpret. Die Firma Telefunken bat ihn 1939 erstmals ins Studio, in einer Zeit, in der sich die Fachkollegen Peter Anders und Marcel Wittrisch bereits als feste Größen etabliert hatten. Die beiden Arien aus Massenets «Manon» zeigen den jungen Künstler bereits auf der Höhe seiner Möglichkeiten, insbesondere die entrückte Traumerzählung im beherrschten sotto voce ist eine Lektion. In den italienischen Partien klingt er weniger idiomatisch, doch beeindruckt er auch hier durch emotionale Tiefe und hohe Gesangskultur. Reiner Lyriker, der er war, fühlt er ...
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Vor gut dreizehn Jahren bot sie in der Pariser Opéra Bastille zum ersten Mal dem Publikum ihre bleich geschminkte Stirn: Robert Wilsons aufwändig-minimalistische und hochgradig stilisierte «Madama Butterfly». Eine Produktion, um die sich bald Häuser rund um den Globus reißen sollten. Bis dato wurde die Inszenierung des texanischen Bildtheatermagiers unter anderem...
Gilda ist tot, der Vater – Rigoletto – in Schmerz erstarrt, das Publikum tief ergriffen, doch auf die Basler Opernbühne kehrt allzu schnell die Realität wieder zurück: 3,5 Millionen Franken soll das Dreispartenhaus ab der kommenden Spielzeit unter seinem neuen Intendanten Georges Delnon jährlich einsparen; eine Summe, die das Theater substanziell gefährden würde,...
Nach der Premiere hatte Staatsoperndirektor Ioan Holender auf die Frage, ob man denn in Wien konservativer sei als anderswo, einen schönen Satz mit Nestroy-Qualität geprägt: «Die Wiener sind durchaus fürs Neue. Nur ändern darf sich nix.» Da aber nun Regisseur Barrie Kosky einiges an den gewohnten Topoi in «Lohengrin» zu ändern suchte, schien die Wiener Opernseele...
