Traum, Schatten, Stille
Alexander Puschkin ist gerade mal 31 Lenze alt, da schreibt er ein Gedicht, das in seiner gedankenschweren Melancholie klingt wie der Abschiedsgruß eines Lebensmüden. «Der irren Jahre längst vergangene Lust / Liegt lastend wie ein Rausch auf meiner Brust. / Doch wird, wie Wein, der Schmerz, den ich erfahren, / Nur stärker noch und schwerer mit den Jahren.
/ Mein Weg ist dunkel Leiden und Beschwer / Droht mir der Zukunft sturmbewegtes Meer …» Puschkin konnte zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen, dass ihm in der Tat nur noch sieben Jahre auf Erden blieben; umso prophetischer klingt die zweite Strophe des Gedichts «Elegie»: «Doch möchte ich, o Freunde, noch nicht scheiden: / Will leben, um zu denken und zu leiden; / Ich weiß, noch manche Lust liegt mir bereit / Inmitten Unrast, Schmerz und Traurigkeit; / Ich werde wieder Harmonien trinken / Und weinend über Traumgebilde sinken, / Und sterb ich dann, geschieht’s, dass mir vielleicht, / Die Liebe licht ein letzten Lächeln reicht.«
Valentin Silvestrov hat diese Verse vertont, und hört man seine «Elegie», dann wird erneut deutlich, worin die eigenwillige Originalität dieses Komponisten besteht: in der Zurücknahme, in der Konzentration des ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Medien, Seite 27
von Olga Myschkina
Vierundzwanzig Bühnenbilder, 673 Kostüme, diverse Überraschungseffekte, sogar ein echtes Kamel: Das Logbuch zur Uraufführung 1875 taugt locker als Vorbild für Zeffirelli-Events. Und gleichzeitig täuscht der Aufwand über den wahren Gehalt hinweg: Jacques Offenbach ging es mit «Le Voyage dans la lune» gewiss um plaisir. Doch mit dem Augenfutter wurde wie immer bei...
Der König ist geschlagen. Auf die Knie gezwungen. Gedemütigt von der Dame, die keine Dame ist, sondern – das Duett des zweiten Akts zwischen Tochter und Vater (das einzige im gesamten Stück) ist musikalischer Beweis genug – ein machthungriges Monster. Nun sitzt er da auf einem Stuhl, einen Strick mit Halsschlinge über und ein Schild mit der Aufschrift «Non son più...
Dass die vom Genre der Opéra-bouffe vorgesehene Rettung des Paares aus aussichtsloser Einkerkerung gelingt, liegt an einem alten Gefangenen, der sich seit zwölf Jahren mit einem Messerchen einen Tunnel in die Freiheit gräbt: Im genau richtigen Moment hat er sich nun in die Zelle der Périchole und ihres Piquillo durchgewühlt. Es fehlten, sagt er, bloß noch zwölf...
