Der unteilbare Himmel
Der König ist geschlagen. Auf die Knie gezwungen. Gedemütigt von der Dame, die keine Dame ist, sondern – das Duett des zweiten Akts zwischen Tochter und Vater (das einzige im gesamten Stück) ist musikalischer Beweis genug – ein machthungriges Monster. Nun sitzt er da auf einem Stuhl, einen Strick mit Halsschlinge über und ein Schild mit der Aufschrift «Non son più re, son dio» vor sich, und singt sich die ganze Traurigkeit der Welt und sämtliche Schmerzen von der Seele.
Giuseppe Verdi hat dem Titelhelden seiner 1842 am Teatro alla Scala uraufgeführten Oper «Nabucco» zu Beginn des vierten Akts dafür eine Musik von geradezu himmlischer Schönheit geschenkt – zunächst die abwechselnd von Streichertupfern und heftig aufbrausenden Tutti-Tonleitern unterlegte, in einen Trauermarsch mündende Szene «Son pur queste mie membra» (mit der subversiv-subtilen Banda aus dem Off), dann, als sich Nabucco dem Gott der Juden zuwendet, ein lichtes F-Dur-Largo, das den entthronten Herrscher von seinem Wahn befreit.
Aber ist dieser Mann überhaupt wahnsinnig? War er es je? Ben Baur hat da so seine Zweifel. Für ihn ist Nabucco, den Stefano Meo mit satt-warmen Farben ausstattet, vielmehr ein typischer ...
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Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Otten
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