Siegfrieds Tod - per SMS
Am Flaucher, südlich der Innenstadt, dort, wo das Isarbett tagsüber von Sonnenmilchduft und abends von Grillschwaden verwabert wird, da gehört so etwas dazu. Auch im Englischen Garten, am Eisbach, muss nahtlose Bräune sein. Doch München nackert, sanktioniert von allerehrwürdigster Kulturinstanz, das ist neu. Was für ein schräger Festspiel-Auftakt, medial gefeiert und tagelang Stadtgespräch: Die Bayerische Staatsoper holte Spencer Tunick, jenen US-Amerikaner, der bekannt ist für seine textilfreien Massenfotos.
Nachts um drei trafen sich auf sein Geheiß 1700 Freiwillige, ließen sich rot und golden bepinseln und zogen vor die Feldherrnhalle. Kurze Zeit danach wurde der bronzene Max Joseph vor dem Nationaltheater eingekreist – Tunicks Kommentar zum aktuellen «Ring», demnächst als Bilderserie zwischen Freikörperkult und Voyeurismus zu haben.
Immerhin: Ein solches Interesse auch außerhalb der Opernfankreise hat der «Ring» selten entfacht. Intendant Nikolaus Bachler hat eine dicke Veranstaltungsreihe rund um sein Wagner-Projekt organisiert. Zwar wurde der «Pavillon 21» hinter dem Nationaltheater, einst als Werkstatt-Ort zu den Festspielen gepriesen, kommentarlos entsorgt. Dafür gab’s ...
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Opernwelt August 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Markus Thiel
Die aktuelle Produktion von Verdis «Don Carlo» an der Wiener Staatsoper ist ein Rückschritt. Seit 2004 bot das Haus die französische Urfassung in der feinsinnig durchgearbeiteten (gleichwohl zunächst heftig angefeindeten) Inszenierung von Peter Konwitschny – zuletzt im Frühjahr 2012. Ob sie auch in Zukunft gezeigt werden wird, will niemand klar sagen. Dass ihr die...
Gab's das je, dass ein Opernintendant Pfitzners «Palestrina», Wagners «Meistersinger» und Paul Hindemiths «Mathis der Maler» in ein und derselben Spielzeit stemmte, drei gewaltige Künstlerdramen des deutschen Repertoires? Alexander Pereira tat's in seiner letzten Zürcher Saison. Mit Daniele Gatti, von vornherein begrenzte drei Jahre am Hause, sagte auch der...
Antonín Dvorák durchlebte in seinen drei überaus erfolgreichen und fruchtbaren Jahren in Amerika auch eine Phase der Depression, die auf finanzielle Sorgen (infolge einer Wirtschaftskrise blieben seine Honorare aus) und Todesfälle im Freundes- und Familienkreis zurückzuführen war. Hinzu kamen Anfälle von Heimweh. Dies alles veranlasste den gläubigen Komponisten,...
