Traktat über die Zukunft der tonalen Musik

Simone Young durchleuchtet Franz Schmidts «Buch mit sieben Siegeln»

Franz Schmidts oratorisches Hauptwerk, «Das Buch mit sieben Siegeln», hat seinem Namen oft alle Ehre gemacht. Lieblings- und Problemstück in einem, wurde es früher gern mit Mozart-Tenören besetzt, die dieser Johannes-Passion eine lyrische Fragilität und enorme Subtilität abgewannen. So in dem legendären Salzburger Live-Mitschnitt mit Anton Dermota (1959 unter Dimitri Mitropoulos). Ein spätromantischer Gruß vom Himmel.

In der Folge verliebten sich viele Dirigenten in das Werk. Nicht gerade Herbert von Karajan, obwohl Schmidt sein Lehrer war.

Wohl aber Nikolaus Harnoncourt (der von den Wiener Symphonikern kam, bei denen das Werk 1938 uraufgeführt wurde). Außerdem lieferten Horst Stein, Fabio Luisi, Manfred Honeck und Kristjan Järvi hochkarätige Aufführungen dieses sehr speziellen Tenor-Vehikels.

Beim Casting des Evangelisten zieht man aus der dicken Orchesterbesetzung oft die falsche Konsequenz, einen gestandenen Wagner-Tenor zu engagieren (zuletzt Christian Elsner in Wien). Diesem Weg folgt Simone Young nur scheinbar. Klaus Florian Vogt verfügt über ein durchdringend fokussiertes, aber zugleich schmales Organ, mit dem dieses Werk einen erstaunlich heutigen Eindruck macht. Gewiss ist ...

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Opernwelt März 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Kai Luehrs-Kaiser

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57. Jahrgang, Nr 3
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