Tödliche Spiele

Puccini: Turandot an der Semperoper Dresden

Opernwelt - Logo

Turandot kann einem nur leidtun. Die Menschheit hat sich selbstverschuldet an den Rand ihrer Auslöschung befördert, alle Frauen dieser Erde sind vom Bann der Unfruchtbarkeit getroffen, und überdies droht die Klimakatastrophe das noch bestehende Leben restlos zu vernichten.

Wer will es da der eisumgürteten Prinzessin verdenken, dass sie, die einzige noch Gebärfähige, dem Defilee der Bewerber beharrlich eine tödliche Abfuhr erteilt, zumal das Schicksal einer verschleppten und vergewaltigten Vorfahrin sie schwören ließ, dem männlichen Geschlecht auf immer zu entsagen?

Die Grundsituation könnte also dystopischer nicht sein. Und hat in der visuellen Umsetzung von derer sich Marie-Eve Signeyrole bei ihrem Regiedebüt an der Semperoper eine konkrete Vorlage. Angelehnt an den Hollywood-Blockbuster «Die Tribute von Panem: Hunger Games» ist das Publikum nicht nur Betrachter der stets blutig endenden «Turandot Games», sondern als «2. Distrikt» (freilich ohne direkte Interaktion mit dem Bühnengeschehen) auch Teil der Inszenierung. Die anderen Distrikte bevölkert der Opernchor, zunächst säuberlich in soziale Schichten aufgeteilt – vom Lumpenproletariat bis zur High Society im Edel-Chic. Wie in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Werner Kopfmüller

Weitere Beiträge
Höhere Mächte

Richard Strauss’ Oper «Die Frau ohne Schatten», zwischen 1911 und 1917 entstanden, wird nicht so oft aufgeführt, wie es ihrem überragenden Rang gebührte. Das hat handfeste praktische Gründe. Das Werk benötigt erstens ein riesiges Orchester mit entlegenen Instrumenten wie Bassetthorn, Glasharmonika und chinesischen Gongs. Zweitens sind fünf Hauptrollen zu besetzen,...

Schwarze Larven

Warten, schon während des Einlasses. Zwei ältere Frauen vorn, ins Publikum blickend, zwei jüngere hinten, abgewandt auf den Prospekt einer nächtlichen Stadt schauend. «Nach Moskau, nach Moskau!», würden sie wohl rufen, wären sie Tschechows drei Schwestern und nicht nur die beiden aus Tschaikowskys «Eugen Onegin». Doch in Roland Schwabs Inszenierung am Staatstheater...

Vorschau/Impressum 12/23

Musentempel
Es ist eine stolze Zahl: Seit der Gründung des New National Theatre Tokyo im Februar 1997 hat das Haus 650 Produktionen auf die Bühne gebracht, in den Sparten Oper, Zeitgenössischer Tanz und Schauspiel. Nun kommt am NNTT Verdis Drama «Simon Boccanegra» heraus, Regie führt Pierre Audi. Welche Philosophie dahintersteckt? 
Wir fragen nach

Wegbereiter
Mit...