Tödliche Spiele

Puccini: Turandot an der Semperoper Dresden

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Turandot kann einem nur leidtun. Die Menschheit hat sich selbstverschuldet an den Rand ihrer Auslöschung befördert, alle Frauen dieser Erde sind vom Bann der Unfruchtbarkeit getroffen, und überdies droht die Klimakatastrophe das noch bestehende Leben restlos zu vernichten.

Wer will es da der eisumgürteten Prinzessin verdenken, dass sie, die einzige noch Gebärfähige, dem Defilee der Bewerber beharrlich eine tödliche Abfuhr erteilt, zumal das Schicksal einer verschleppten und vergewaltigten Vorfahrin sie schwören ließ, dem männlichen Geschlecht auf immer zu entsagen?

Die Grundsituation könnte also dystopischer nicht sein. Und hat in der visuellen Umsetzung von derer sich Marie-Eve Signeyrole bei ihrem Regiedebüt an der Semperoper eine konkrete Vorlage. Angelehnt an den Hollywood-Blockbuster «Die Tribute von Panem: Hunger Games» ist das Publikum nicht nur Betrachter der stets blutig endenden «Turandot Games», sondern als «2. Distrikt» (freilich ohne direkte Interaktion mit dem Bühnengeschehen) auch Teil der Inszenierung. Die anderen Distrikte bevölkert der Opernchor, zunächst säuberlich in soziale Schichten aufgeteilt – vom Lumpenproletariat bis zur High Society im Edel-Chic. Wie in ...

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Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Werner Kopfmüller

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