Schwarze Larven

Tschaikowsky: Eugen Onegin am Theater Augsburg

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Warten, schon während des Einlasses. Zwei ältere Frauen vorn, ins Publikum blickend, zwei jüngere hinten, abgewandt auf den Prospekt einer nächtlichen Stadt schauend. «Nach Moskau, nach Moskau!», würden sie wohl rufen, wären sie Tschechows drei Schwestern und nicht nur die beiden aus Tschaikowskys «Eugen Onegin». Doch in Roland Schwabs Inszenierung am Staatstheater Augsburg bleiben nicht allein die Lichter der Großstadt ein Traum für Tatjana und Olga – jede Zugehörigkeit zu einer Gesellschaft überhaupt ist reine Utopie.

Mit einer doppelten Verschalung aus weißen Holzplanken hat Bühnenbildner Piero Vinciguerra die Ersatzspielstätte im Martini-Park nach oben wie unten abgeschlossen: eine abgeschottete Veranda, ein Schiffsbauch möglicherweise, in jedem Fall aber ein (schönes) Gefängnis. «Seelen im Close-up» will Schwab laut Programmheft zeigen und schließt den knackig singenden Chor des Augsburger Theaters deshalb weitgehend von der Szene aus. Reiner Klang bleibt die bäuerliche Freude im ersten Akt, zu Tatjanas Namenstag im zweiten erscheinen nur Dämonen. Selbst das Fest in St. Petersburg ist eine starre Versammlung schwarzer Larven, bei dem ein riesiger Kronleuchter einen Rest von ...

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Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Michael Stallknecht

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