Höhere Mächte
Richard Strauss’ Oper «Die Frau ohne Schatten», zwischen 1911 und 1917 entstanden, wird nicht so oft aufgeführt, wie es ihrem überragenden Rang gebührte. Das hat handfeste praktische Gründe. Das Werk benötigt erstens ein riesiges Orchester mit entlegenen Instrumenten wie Bassetthorn, Glasharmonika und chinesischen Gongs. Zweitens sind fünf Hauptrollen zu besetzen, die allesamt das viel strapazierte Epitheton «mörderisch» verdienen. Drittens steht auch das Regieteam vor einer gleich dreifachen Herausforderung.
Es muss Ideen finden für die szenische Umsetzung der Zaubereinlagen der allegorischen Märchenhandlung; es muss deutlich machen, wo die jeweilige Szene spielt (in der Welt der Geister, jener des Kaisers – oder jener des armen Färberpaars), und es muss entscheiden, ob es Hofmannsthals Dichtung mit ihren komplexen Reflexionen zu Liebe, Ehe und Elternschaft textgetreu auf die Bühne bringen oder umdeuten möchte.
Gegenwärtig hat das Stück Konjunktur. Nach Aufführungen bei den Osterfestspielen Baden-Baden und jüngst zur Saisoneröffnung an der Oper Köln führen nun zwei Neuproduktionen in Lyon und Stuttgart die Bandbreite der Lösungen zu diesen drei Problemkreisen vor Augen – und zu ...
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Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Im Fokus, Seite 18
von Marc Zitzmann
Turandot kann einem nur leidtun. Die Menschheit hat sich selbstverschuldet an den Rand ihrer Auslöschung befördert, alle Frauen dieser Erde sind vom Bann der Unfruchtbarkeit getroffen, und überdies droht die Klimakatastrophe das noch bestehende Leben restlos zu vernichten. Wer will es da der eisumgürteten Prinzessin verdenken, dass sie, die einzige noch...
Diva, Mythos, Skandalfigur oder vielleicht doch ein Opfer der Umstände? Wer sich mit Maria Callas beschäftigt, kann sich aussuchen, welchen Zugang er sich in der inzwischen schon kaum mehr übersehbaren Literatur wählt. Eva Gesine Baur, ihre letzte deutsche Biografin (siehe OW 8/2023), hielt es mit dem voyeuristischen Blick durchs Schlüsselloch und kehrte einmal...
Den Wald als romantische deutsche Seelenmetapher – es gibt ihn auch an diesem Abend. Doch wenn die beiden Kinder zu den Klängen des «Hexenritts» umherirren, umgibt sie in einer perfekt filmisch angelegten (Video-)Szenerie zunächst ein Häuser- und Ruinenwald in Schwarzweiß, über dem alliierte Bomber kreisen. Regisseurin Kateryna Sokolova und Bühnenbildner Nikolaus...
