Tödliche Begierde
Medea. Allein der Name provoziert, irritiert, spaltet den, der ihn in den Mund nimmt. Ruft Entzücken wie Entsetzen hervor, lässt das Herz beben, die Seele erzittern. Medea. Ein Hall von Assoziationen begleitet sie auf ihrem Weg, folgt der Eumeniden Erfüllerin, auf ihrer Spur: der Spur des Todes. Denken wir an Medea, schiebt sich unweigerlich eine Frage ins Feld unserer Wahrnehmung. Ist das nicht jene Grausame, die ihre beiden Kinder aus niederen Motiven, wie im Wahn und doch bei vollem Bewusstsein, meuchelte? Ja, sie ist es.
Sie hat die schändliche, verabscheuungswürdige Tat vollbracht, hat zwei unschuldig-hilflose Wesen, die einst ihrem Schoß entsprangen, eigenhändig ermordet, hat sie erdrosselt oder erdolcht und hernach das monströse Verbrechen gestanden, vor den Göttern und vor der Welt, und es nur zu einem verschwindend geringen Teil bereut. Warum? Weil sie den Mord als Ultima Ratio erachtete und verteidigte. Doch welche Notwendigkeit liegt hier zugrunde? Wie konntest du, so müssen wir Medea fragen, dergleichen Schreckliches tun? Wer bist du? Bist du wirklich nur eine mordende Mutter? Ja, würde Medea antworten: das bin ich. Denn ich bin Medea.
Aber das ist sie erst, nachdem ...
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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten
Die Choreografin Pina Bausch ist lange nach dem Ende ihrer Karriere als Tänzerin noch zweimal als Schauspielerin aufgetreten: in Boris Blachers Gombrowicz-Oper «Yvonne, Prinzessin von Burgund» als stumme Titelfigur, in Fellinis «Schiff der Träume» als blinde Prinzessin. Die Lautlose kann sich nicht mitteilen; zum Nicht-Sehen-Können gehören die Hilflosigkeit wie das...
Man kann nicht behaupten, dass in Donaueschingen Musiktheater je eine zentrale Rolle spielte. Gewiss, immer wieder standen bei den Musiktagen auch szenische, performative, gar partizipatorische Formate auf dem Prüfstand, etwa als Alvin Curran 2006 in «Oh Brass On The Grass Alas» örtliche Musikvereine auf dem Grün vor einer Sporthalle «choreografierte». Doch...
Mit diesem Werk wagte Suppé 1885 noch einmal den Sprung zurück ins Operngenre und zugleich in seine dalmatinische Heimat. «Il Ritorno del Marinaio» spielt auf der Insel Hvar, damals Lisina, und es lag bestimmt am lokalen Kolorit, dass der im Spoleto genannten Split geborene und dort aufgewachsene Operettenfürst nach diesem Stoff griff. Am Libretto jedenfalls lag...
