Tödliche Begierde
Medea. Allein der Name provoziert, irritiert, spaltet den, der ihn in den Mund nimmt. Ruft Entzücken wie Entsetzen hervor, lässt das Herz beben, die Seele erzittern. Medea. Ein Hall von Assoziationen begleitet sie auf ihrem Weg, folgt der Eumeniden Erfüllerin, auf ihrer Spur: der Spur des Todes. Denken wir an Medea, schiebt sich unweigerlich eine Frage ins Feld unserer Wahrnehmung. Ist das nicht jene Grausame, die ihre beiden Kinder aus niederen Motiven, wie im Wahn und doch bei vollem Bewusstsein, meuchelte? Ja, sie ist es.
Sie hat die schändliche, verabscheuungswürdige Tat vollbracht, hat zwei unschuldig-hilflose Wesen, die einst ihrem Schoß entsprangen, eigenhändig ermordet, hat sie erdrosselt oder erdolcht und hernach das monströse Verbrechen gestanden, vor den Göttern und vor der Welt, und es nur zu einem verschwindend geringen Teil bereut. Warum? Weil sie den Mord als Ultima Ratio erachtete und verteidigte. Doch welche Notwendigkeit liegt hier zugrunde? Wie konntest du, so müssen wir Medea fragen, dergleichen Schreckliches tun? Wer bist du? Bist du wirklich nur eine mordende Mutter? Ja, würde Medea antworten: das bin ich. Denn ich bin Medea.
Aber das ist sie erst, nachdem ...
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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten
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Der Kontrast zwischen seinem monumentalen Werk und einem chaotischen Privatleben. Marx’ ökonomische Theorien haben die Welt verändert, doch er selbst war unfähig hauszuhalten. Er schrieb über Geld, hatte selber aber selten welches. Und während er sich in der Theorie für die Rechte der Arbeiter einsetzte, wünschte er sich...
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