Von Blindheit erleuchtet

Strawinsky: Oedipus Rex
Tschaikowsky: Iolanta
Frankfurt | Oper

Die Choreografin Pina Bausch ist lange nach dem Ende ihrer Karriere als Tänzerin noch zweimal als Schauspielerin aufgetreten: in Boris Blachers Gombrowicz-Oper «Yvonne, Prinzessin von Burgund» als stumme Titelfigur, in Fellinis «Schiff der Träume» als blinde Prinzessin. Die Lautlose kann sich nicht mitteilen; zum Nicht-Sehen-Können gehören die Hilflosigkeit wie das Charisma des «blinden Sehers», aber auch die «Verblendung» des Fanatikers, prototypisch der «Don Carlos»-Großinquisitor: ein Greis und blind.

Dass Stücke über «Blinde» im späten 19. und frühen 20.

Jahrhundert häufig anzutreffen sind, mag mit dem Doppelcharakter des Fortschritts zu tun haben: Gehörte zur Technik der Weitblick, dessen Rationalität romantische Realitätsverweigerung konterkarierte (etwa in Maeterlincks Drama «Die Blinden»), so zur industriellen Dynamik die militärische Massenvernichtung mit ihren unzähligen Kriegsblinden. Wenn nun die Frankfurter Oper zwei einschlägige russische Opern bündig koppelt, so reflektiert sie weltflüchtiges Fin de Siècle-Kunstmärchen wie neuzeitliche Schreckens-Sachlichkeit. Steht Tschaikowskys letzte Oper «Iolanta» (1892) im Zeichen der Liebes-Erlösungs-Mystik, so dokumentiert ...

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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Gerhard R. Koch