Zeitzeichen
Man kann nicht behaupten, dass in Donaueschingen Musiktheater je eine zentrale Rolle spielte. Gewiss, immer wieder standen bei den Musiktagen auch szenische, performative, gar partizipatorische Formate auf dem Prüfstand, etwa als Alvin Curran 2006 in «Oh Brass On The Grass Alas» örtliche Musikvereine auf dem Grün vor einer Sporthalle «choreografierte». Doch blieben solche Experimente Randerscheinungen.
Das diesjährige – von Björn Gottstein, dem Künstlerischen Leiter, kuratierte Programm lässt, bei aller selbstverständlichen Heterogenität der Handschriften, eine interessante Beobachtung zu: Viele Komponisten und (immer noch zu wenige) Komponistinnen suchen Verbindungen zwischen der aktuellen politisch-gesellschaftlichen Realität und Interpreten herzustellen, die keineswegs auf ihr jeweiliges Instrument oder ihre Stimme reduziert werden. Isabel Mundry bildet da keine Ausnahme, sie nennt das «Strukturübertragung von lebensweltlicher Erfahrung in Musik». Was nicht unbedingt auf theatrale Klangaktionen hinausläuft. Und keineswegs garantiert, dass die Betroffenheit ob der Erschütterungen unserer Gegenwart musikalische Fantasie und Form beflügelt. «Mouhanad», der transkribierte Text eines ...
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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Alexander Dick
«L’Ȃge mûr» («Das reife Alter») heißt eine der bekanntesten Plastiken von Camille Claudel. Sie zeigt eine junge Frau, die flehentlich nach der Hand eines davoneilenden Mannes greift, den eine alte Frau mit sich zieht. Die Bildhauerin spiegelte darin eine Ursituation ihres Lebens: die dauerhaft aussichtslose Liebe zu ihrem 24 Jahre älteren Lehrer und zeitweisen...
Seit Jahren steht in Stuttgart die Frage im Raum, wann und wie der historische Theaterbau von Max Littmann aus dem Jahr 1911, in der Oper und Ballett ihre Vorstellungen geben, saniert wird. Dass er dringend ertüchtigt werden muss, ist zwischen den Trägern der Württembergischen Staatstheater (Stadt und Land) unstrittig. Alles andere ist mehr oder weniger offen. Im...
Ein Tisch ist ein Tisch ist ein Tisch? Nun ja, manchmal ist ein Tisch nicht mehr als ein bemühtes Requisit, hier aber ist er ein Füllhorn an Geschichte(n). An diesem Tisch (graues Resopal) haben sich Tragödien ereignet, individuelle, familiäre, gesellschaftliche; Tragödien, die stets am Rande der Groteske wohnen und doch tief ins Innere der Protagonisten blicken...
