Schöne, neue Welt

Deutschlands Theater und Opernhäuser machen aus der Not eine Tugend und suchen ihr Glück in digitalen Vermittlungsformaten. Dabei herrscht ein reger Erfindergeist, der von einem Großteil des Publikums goutiert wird. Ein Überblick

Seit einem Jahr sind die Theater, Opern- und Tanzhäuser des Landes fast durchgehend geschlossen – und haben sich darauf umgestellt, online zu senden. Als neue Normalität lehnen die meisten Theatermenschen diese Form der Vermittlung ab: «Wir sind des Streamens müde», dieser Stoßseufzer ist oft zu hören. Das Theater hängt an der physischen Kopräsenz, es sehnt sich danach, zu ihr zurückzukehren, sein Publikum live zu treffen in dunklen Räumen, in denen Handys ausgeschaltet werden und die Konzentration einkanalig auf die Bühne gerichtet wird.

Dabei ist in diesem pandemischen Streaming-Jahr durchaus einiges Neues, ja Zukunftsweisendes entstanden, und Online-Pioniere ernten die Früchte ihrer Arbeit.

Die größte Entwicklung hat die Sprechtheatersparte durchgemacht – die vor der Pandemie am wenigsten über Aufzeichnung und Ausstrahlung ihrer Produktionen nachgedacht hatte. Spätestens die zweite Welle zwang die Häuser jedoch, ihr Online-Angebot zu professionalisieren, und prompt stieg die Qualität. Sprechtheater wie das Berliner Ensemble, die Schaubühne oder das Theater an der Ruhr, die sich dafür entschieden, wie schon im ersten Lockdown weiterhin aus dem Archiv zu streamen, gruben immer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Sophie Diesselhorst

Weitere Beiträge
Ungewisse Zukunft

Lang, lang ist’s her. Genauer gesagt: mehr als ein Jahr. Am 11. März 2020 hob sich in der Metropolitan Opera zu New York letztmals der Vorhang – zu einer Aufführung von Mozarts «Così fan tutte», exzellent dirigiert von Harry Bicket und unter anderem mit einem fantastischen Ben Bliss als Ferrando. Es folgte das Unvermeidliche. Intendant Peter Gelb musste aufgrund...

Einfach nur sein

Herr Nigl, wie sind Sie eigentlich zum Lied gekommen?
Ich habe früher mit einem Freund die Schubert- und Schumann-Bände durchgespielt und durchgesungen. Und wann immer man sich ein Lied anhören wollte, kam man um Fischer-Dieskau nicht herum. Ein Donnervater, ein Monolith. Und wenn ich an Wunderlich dachte, war ich froh, dass ich kein Tenor war – sonst wäre ich...

Ein-Blicke

Wiesbaden
«Il trovatore»

Das Stück ist ein einziges Rätsel. Seine Dramaturgie geradezu verstörend. Doch gerade aus dieser erheblichen Unwucht und der fehlenden Stringenz der Handlung bezieht Verdis vierte Oper ihren enormen Reiz. Weil sie Assoziationen freisetzt, Traumwelten kreiert, Spielräume eröffnet. Die auch der Regisseur Philipp M. Krenn für seine farben- und...