Schöne, neue Welt

Deutschlands Theater und Opernhäuser machen aus der Not eine Tugend und suchen ihr Glück in digitalen Vermittlungsformaten. Dabei herrscht ein reger Erfindergeist, der von einem Großteil des Publikums goutiert wird. Ein Überblick

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Seit einem Jahr sind die Theater, Opern- und Tanzhäuser des Landes fast durchgehend geschlossen – und haben sich darauf umgestellt, online zu senden. Als neue Normalität lehnen die meisten Theatermenschen diese Form der Vermittlung ab: «Wir sind des Streamens müde», dieser Stoßseufzer ist oft zu hören. Das Theater hängt an der physischen Kopräsenz, es sehnt sich danach, zu ihr zurückzukehren, sein Publikum live zu treffen in dunklen Räumen, in denen Handys ausgeschaltet werden und die Konzentration einkanalig auf die Bühne gerichtet wird.

Dabei ist in diesem pandemischen Streaming-Jahr durchaus einiges Neues, ja Zukunftsweisendes entstanden, und Online-Pioniere ernten die Früchte ihrer Arbeit.

Die größte Entwicklung hat die Sprechtheatersparte durchgemacht – die vor der Pandemie am wenigsten über Aufzeichnung und Ausstrahlung ihrer Produktionen nachgedacht hatte. Spätestens die zweite Welle zwang die Häuser jedoch, ihr Online-Angebot zu professionalisieren, und prompt stieg die Qualität. Sprechtheater wie das Berliner Ensemble, die Schaubühne oder das Theater an der Ruhr, die sich dafür entschieden, wie schon im ersten Lockdown weiterhin aus dem Archiv zu streamen, gruben immer ...

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Opernwelt April 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Sophie Diesselhorst

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