Tod und Erklärung
Nicht wenige Opern sind durch Muster-Interpretationen in ihrer Rezeption gebremst worden: Den «Rosenkavalier» überzog das Dresdner Uraufführungsmodell von Max Reinhardt und Alfred Roller mit einem Barock-Firnis, gegen den ein halbes Jahrhundert kein Kraut gewachsen schien; Bernsteins «West Side Story» war in Jerome Robbins’ Broadway-Kreation ähnlich sakrosankt. Hans Neuenfels’ Frankfurter Inszenierungen der «Gezeichneten» und des «Doktor Faust» wirkten gerade in ihrer Suggestion einschüchternd.
Ähnlich hat Walter Felsensteins legendäre Regie des «Schlauen Füchsleins» (1956 an der Komischen Oper in Ost-Berlin) zwar für viele das Tor zur Janácek-Welt geöffnet, sein «magischer Realismus» schreckte jedoch auch Nachfolge-Versuche ab: eine so verdienstvolle wie prekäre Situation.
Nun gibt es kaum wirklich einfache Stücke, quasi vom Blatt spielbar. Fast immer geht es um Dechiffrierung. Selbst im Falle der Wagner-Mythen scheint dies einfacher als bei Janáceks Wald-Oper, die vor die heikle Frage stellt: Was ist Mensch, was Tier, was Natur, was Zivilisation? Lässt sich Natur zu Kunst machen: Noch Land Art bleibt Artefakt, Musikvögel singen mechanisch, und nicht zufällig heißt Stillleben ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhard R. Koch
Herr Ott, Sie lassen alles machen: Volksmusik, Installationen, eine rätoromanische Lesung, Literaturopern und Projekte, die a priori zu beschreiben schwerfällt.
So kann man es zusammenfassen. Diese Vielfalt ist nicht Zufall, sie ist Absicht.
Unter Ihren Vorgängern Hans Werner Henze und Peter Ruzicka vertrat die Biennale einen Werkbegriff, suchte nach neuen,...
Anfang Mai gab es in Freiburg ein kleines Festival. Vier Abende. Auf dem Programm: Kurtág und Webern, Messiaen und Bernd Alois Zimmermann, Varèse und, zum Schluss, der c-Moll-Stoß von Beethovens «Fünfter». Eine Wahl mit Bedacht. Das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, wie es seit einer Weile etwas holprig heißt, feierte Geburtstag: 70 stolze Jahre....
Blutüberströmt liegt die Leiche des jungen John im Bett. Als sich die wütende Meute aus dem Dorf dem Haus des Fischers Peter Grimes nähert, hat der sein nächstes Opfer längst geschlachtet. Grimes scheint verwirrt, spricht noch mit dem Gehilfen. Montagu Slaters Libretto erzählt die Geschichte etwas anders, da lebt der Junge noch. Doch in Tilman Knabes Dortmunder...
