Aus und vorbei!
Anfang Mai gab es in Freiburg ein kleines Festival. Vier Abende. Auf dem Programm: Kurtág und Webern, Messiaen und Bernd Alois Zimmermann, Varèse und, zum Schluss, der c-Moll-Stoß von Beethovens «Fünfter». Eine Wahl mit Bedacht. Das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, wie es seit einer Weile etwas holprig heißt, feierte Geburtstag: 70 stolze Jahre. Niemand kann die Zahl der Uraufführungen herzählen, die wir diesem Parade-Orchester der Neuen Musik verdanken. Sind’s 300, sind’s 400? Noch mehr? Aus und vorbei. Zum Ende dieser Spielzeit wird das Ensemble plattgemacht.
Wer bisher nicht wusste, was Zynismus ist – jetzt weiß er’s. Man kann den empörenden Vorgang auch gewählter in Worte kleiden: Das Orchester wird mit dem Radio-Sinfonieorchester, dem Stuttgarter Ensemble des SWR, fusioniert. Aber eben auf Teufel komm raus, ohne dass man je von triftigen künstlerischen Argumenten für diese Zwangsvereinigung gehört hätte. Es geht allein ums Geld. Um zehn Millionen Euro, die der Sender pro Jahr einsparen will. Obwohl die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten so viel Gebührengelder einnehmen wie nie zuvor. Obwohl 30 000 Unterschriften gegen die Fusion gesammelt wurden. Obwohl ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Heinz W. Koch
Nicht wenige Opern sind durch Muster-Interpretationen in ihrer Rezeption gebremst worden: Den «Rosenkavalier» überzog das Dresdner Uraufführungsmodell von Max Reinhardt und Alfred Roller mit einem Barock-Firnis, gegen den ein halbes Jahrhundert kein Kraut gewachsen schien; Bernsteins «West Side Story» war in Jerome Robbins’ Broadway-Kreation ähnlich sakrosankt....
Wiesbadens Theater, exemplarische Fellner & Helmer-Neorenaissance (1894), und die von Wilhelm II. 1896 in seiner Sommerfrische lancierten Maifestspiele zeugten von Belle Epoque-Nostalgie. Diesmal freilich wiesen die Zeichen gleich doppelt nach vorn: Auf Zimmermanns epochale «Soldaten» (siehe Seite 18) folgte die Uraufführung von Helmut Oehrings «Agota?» mit der...
Als der Krebs ihn immer heftiger beherrschte, schrieb Claude Debussy: «Ich war dabei – oder fast dabei – ‹La Chute de la Maison Usher› zu vollenden: Die Krankheit hat meine Hoffnung ausgelöscht […] Ich finde mich schwer mit dieser Wendung meines Schicksals ab.» Auf der anderen Seite meinte er aber auch, diese Oper sei nur eine «Neuauflage des ‹Pelléas›» – mit einer...
