Serienkiller
Blutüberströmt liegt die Leiche des jungen John im Bett. Als sich die wütende Meute aus dem Dorf dem Haus des Fischers Peter Grimes nähert, hat der sein nächstes Opfer längst geschlachtet. Grimes scheint verwirrt, spricht noch mit dem Gehilfen. Montagu Slaters Libretto erzählt die Geschichte etwas anders, da lebt der Junge noch. Doch in Tilman Knabes Dortmunder Inszenierung wirft sich Grimes den Toten in einem Plastiksack über die Schulter, säubert schnell die Wohnung und rennt davon. Die Spurensicherung würde sicher noch eine Menge Beweise finden.
Aber die Dörfler ziehen nach kurzer Suche wieder ab.
An der Oper Dortmund ist Peter Grimes ein Serienkiller. Er versucht seine Triebe zu beherrschen, doch wenn er Knaben sieht, bricht seine dunkle Seite durch. Er misshandelt die Kinder, die er sich aus einem Waisenhaus holt. Auch Ellen Orford zerschlägt er das Gesicht. Nicht obwohl, sondern weil sie ihn liebt, an einen guten Kern in ihm glaubt und zu vielen Opfern bereit ist, um diesen hervorzukehren – dadurch kommt sie ihm zu nahe. Die Gewalt erwächst aus der Angst, berührt zu werden. Peter Grimes ist auch ein Liliom.
Diese Interpretation des Stücks erinnert an heutige Psychothriller ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Stefan Keim
Kann der Royal Opera noch Schlimmeres passieren als das Buhgebrüll, das letzten Sommer in Damiano Michielettos «Guillaume Tell» losbrach? Ja. Und zwar Gelächter. Man hatte diesmal die Abonennten vorsichtshalber gleich vor den sexuell expliziten, brutalen Szenen in Katie Mitchells Inszenierung der «Lucia di Lammermoor» gewarnt. Schon zeterten Zyniker, Covent Garden...
Dieser Tage jährte sich zum 400. Male der Todestag des Dichters aus Warwickshire, der England als Kulturnation so recht auf die Landkarte setzte. Gern wird ja angezweifelt, dass es tatsächlich dieser Handschuhmachersohn mit Namen William Shakespeare war und nicht eine der fiktiven Figuren, die im von Literaturdetektiven im Laufe der Zeit als Alternativautoren...
Die Zeiten, wo ein Vertrag bei einem großen Label die Weltkarriere verhieß, sind auch bei der Decca vorbei. Zuletzt sind CD-Versuchsballons mit Danielle de Niese oder Nicole Cabell rasch wieder gesunken. Nach ihrer erfolgreichen Debüt-CD «Voice of Hope» (vor zwei Jahren) gibt man Pumeza Matshikiza nun eine zweite, verdiente CD-Chance.
Bei der diesmal fast ganz...
