Theater der Obsessionen
Kontinent Sciarrino» betitelten die Salzburger Festspiele 2008 ihre neunteilige, dem Schaffen Salvatore Sciarrinos gewidmete Veranstaltungsreihe. An der überragenden kreativen Originalität und Potenz dieses nach Luigi Nono wohl bedeutendsten italienischen Komponisten des letzten halben Jahrhunderts bestehen heute kaum mehr Zweifel. Wer allerdings seine Werke hören (und vor allem: sehen) will, muss es diesseits der Alpen tun, denn in Italien wird er kaum gespielt.
Der 1947 in Palermo geborene Sciarrino, der als Autodidakt begann, hat den einmal eingeschlagenen Weg, abseits aller Schulen und Ismen, mit bewundernswerter Konsequenz verfolgt. Ein Einzelgänger ist er bis heute geblieben. Mehrheitsfähig ist seine verstörend andersartige Musik nicht einmal in Avantgardekreisen geworden, noch immer steht sie quer zu allen Strömungen der Postmoderne und reklamiert – in weit über 200 Werken, die alle traditionellen Gattungen abdecken – einen eigenen Kontinent, ja einen eigenen Kosmos für sich. Wer den künstlerischen Weg Sciarrinos seit der deutschen Erstaufführung seines Singspiels «Aspern» 1981 in Stuttgart verfolgt hat, ist bei jeder Begegnung aufs Neue fasziniert von der Magie dieser ...
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Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Uwe Schweikert
Eine Aufführung von Leos Janáceks letzter Oper «Aus einem Totenhaus» würde ihn nicht berühren, wenn sie in einem Gefängnis spielte, sagt Dirigent Ingo Metzmacher im Interview, das im Programmheft des Zürcher Opernhauses abgedruckt ist. «Mich als Zuschauer hat das nicht erreicht, weil es mich nicht betrifft.» Auch der Regisseur Peter
Konwitschny kann wenig mit dem...
Das Werbeplakat zeigt in diesem Jahr ein Gedeck aus der Gefrierzone: roter Teller, Messer, Gabel, Becher, alles vereist. «Einsamkeit und Kälte, die Not und manchmal Unmöglichkeit, sich mitzuteilen» sind, so Intendant Luc Bondy, Grundströmungen der diesjährigen Wiener Festwochen. Dies manifestierte sich schon in der ersten Premiere, Christoph Marthalers...
Seit ihrer Geburt im frühen 17. Jahrhundert hat die Kunstform Oper die Geister Italiens gespalten. Jahrhundertelang hatte man sich für sie buchstäblich entschuldigen müssen – gegenüber dem intellektuellen Bildungsbürgertum, das es vorzog, sich für die Wiederbelebung des «echten» griechischen Dramas einzusetzen, ebenso wie gegenüber Vertretern von Kirche und Staat,...
