Feuer und Eis

Die Wiener Festwochen bieten Xenakis’ «Oresteïa» als Open-Air-Spektakel, dazu einen schnörkellosen «Rigoletto» – und ein neues Leitungsteam ab 2014

Das Werbeplakat zeigt in diesem Jahr ein Gedeck aus der Gefrierzone: roter Teller, Messer, Gabel, Becher, alles vereist. «Einsamkeit und Kälte, die Not und manchmal Unmöglichkeit, sich mitzuteilen» sind, so Intendant Luc Bondy, Grundströmungen der diesjährigen Wiener Festwochen. Dies manifestierte sich schon in der ersten Premiere, Christoph Marthalers melancholisch stillem Grönland-Epos «+-0» (sprich: Plusminus Zero), das bereits am Tag vor der offiziellen Eröffnung im Museumsquartier über die Bühne ging.

Eine Androhung von Eiszeit, die sich bei der Bestellung der neuen Festwochenintendanz in Bondys Nachfolge ab 2014 hätte ergeben können, wurde freilich vermieden. Denn schon wenige Tage nach Ende der Bewerbungsfrist konnte das neue Leitungsteam um Markus Hinterhäuser vorgestellt werden (siehe OW 6/2011).

Hinsichtlich des Musikprogramms hofft man, dass Hinterhäuser, der in der Ära von Musikdirektor Hans Landesmann als Künstlerischer Leiter des Projekts «Zeit Zonen» erfolgreich war, die Konzepte seines Mentors wieder aufnimmt. Freilich präsentierte sich das Musikangebot in diesem Jahr nach einigen mageren Jahren üppiger, vor allem im an Mahler orientierten Konzertprogramm. Das ...

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Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Gerhard Persché

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