Italienische Reise
Seit ihrer Geburt im frühen 17. Jahrhundert hat die Kunstform Oper die Geister Italiens gespalten. Jahrhundertelang hatte man sich für sie buchstäblich entschuldigen müssen – gegenüber dem intellektuellen Bildungsbürgertum, das es vorzog, sich für die Wiederbelebung des «echten» griechischen Dramas einzusetzen, ebenso wie gegenüber Vertretern von Kirche und Staat, mochten diese auch noch so unbedeutende Kleinfürsten oder ausländische Besatzer sein.
Sämtliche denkbaren Verflechtungen von Mäzenatentum und Zensur, Lobpreis und Kritik seitens der Mächtigen haben hier – von Monteverdi bis Verdi und über diesen hinaus – ihren Ursprung. Heute hingegen misst sich der Marktwert einer Oper an ihrer (mal deutlicher, mal weniger deutlich erkennbaren) Relevanz in Bezug auf zeitgenössische Themen. Dabei wird Oper umkämpft von Bewahrern und Erneuerern, von Advokaten der Werktreue und Verfechtern des Regietheaters, von «alten Hasen» und jungen Bilderstürmern.
Die gute Nachricht: Die jüngere Generation geht heute wieder hin, auch in Italien. Vorbei die Tage, in denen Mittelklassen-Schnösel und adrette Studenten scharenweise zu Jazz- und Rock-, Symphonie- und Kammerkonzerten pilgerten, oder ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Carlo Vitali
Zum zweiten Mal hat die Vlaamse Opera ihre (zum Teil schon länger bestehenden Kooperationen) mit freien Gruppen wie «Muziektheater Transparant» in Antwerpen, dem Musiktheaterkollektiv LOD in Gent und dem Veranstaltungszentrum De Singel in Antwerpen zu einem kleinen Festival zusammengefasst. Es sind überwiegend flämische und niederländische Künstler, die hier zu...
Bei seinem Debüt als Leiter der Innsbrucker Festwochen bewies Alessandro de Marchi eine glückliche Hand: Mit Pergolesis «L’Olimpiade» hatte sich der Nachfolger von René Jacobs nicht nur ein Schlüsselwerk für die Entwicklung der Opera seria ausgesucht, sondern auch durch eine musikalisch überragende Aufführung Pergolesi wieder seinen Platz in der ersten Reihe der...
Überraschend kam die Nachricht nicht: In Prag werden Nationaltheater und Staatsoper zwangsvereint. Ein Desaster? Das hängt davon ab, was man jetzt aus der Situation macht. Seit Längerem war klar, dass es nicht weitergehen konnte wie bisher. In kurzen Abständen wechselten die Intendanten der Staatsoper; im Haus saßen zu 80 Prozent Touristen, mit der Auslastung...
