Tenorissimo! Bravissimo?
Alfredo, Duca, Rodolfo, die typischen Hits eben. Traditioneller, konventioneller, abgegriffener geht es kaum, möchte man meinen. Wobei die Tenöre Liparit Avetisyan und Kévin Amiel wenigstens ehrlich sind. Während sich mancher Kollege umständlich bis krampfig in Randbereichen des Repertoires tummelt, um bei Experten und Nerds Aufmerksamkeit zu erregen, setzen die beiden ungeniert auf Klassiker. Und haben dabei ein Argument auf ihrer Seite: Das breite Publikum dürfte dies goutieren, CD-Visitenkarten müssen sich schließlich verkaufen.
Außerdem sind Schlagerparaden, die zum Vergleich mit Vorgängern einladen, riskanter.
Der Armenier Livarit Avetisyan, Jahrgang 1990, und der Franzose Kévin Amiel, Jahrgang 1989, haben sogar noch etwas gemeinsam, es ist der vokale Zuschnitt. Das helle Timbre, die schmale Dimension, die Kopfstimmenresonanz, all dies tönt eher nach Rossini als nach Schwergewichtigerem. Entscheidend ist, wie man damit Verdi oder Puccini zu sich heranholt. Man höre nur Avetisyan bei Alfredos «De’miei bollenti spiriti». Zärtlich, fast intim, im Wortsinn zart besaitet singt er die Arie, mit Delikatesse und klug verblendeten Registern. Eine Innenschau, kein Übermut. Kollege ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Medien, Seite 64
von Markus Thiel
Die Wissenschaft tappt im Dunkel. Wobei es sich hier nicht etwa um Phänomene der Quantenphysik handelt, sondern um Musikologie und konkret um eine Oper des Barock, um «L’Ercole amante» von Antonia Bembo (geboren um 1640 in Venedig, gestorben etwa 1720 in Paris). Das Stück beschreibt eine Episode aus dem Leben des Herkules und war Louis XIV., dem gottgleichen König,...
Sie singen und spielen im «Hotel Metamorphosis», dem Vivaldi-Pasticcio der Salzburger Festspiele, mit großem Aplomb Juno und Minerva. Macht es Spaß, Diva zu sein?
Natürlich! Ich fand es aber anfangs ungewöhnlich, so dominant zu sein. In einer Szene muss ich mit Cecilia Bartoli quasi singend kämpfen. Ich liebe und verehre sie, sie ist meine große Inspiration. Ich...
arte
01.09. – 00.15 Uhr
Jeanine Tesori: Grounded
Mit «Grounded» bringt die New Yorker Metropolitan Opera aktuelle Konflikte aus weiblicher Sicht auf die Bühne. Zwischen moralischer Kriegsreflexion und zerrissener Soldatenseele bewegt sich die Story um die Kampfpilotin Jess, die sich mit den unvereinbaren Welten zwischen Militär und Mutterrolle konfrontiert sieht....
