Frauen vor Trümmerlandschaft
Der Epilog bildet den Anfang. «Die Zeit wird kommen», singen die drei Schwestern, «für uns beginnt ein neues Leben». Sie singen es in die Leere einer fiktiven Zukunft – und an diesem Abend mit drei hohen Männerstimmen, die sich so schön, selbstversunken und melancholisch ineinander ranken, als hätte Peter Eötvös das Frauen-Terzett aus dem «Rosenkavalier» einfach für Countertenöre weitergedacht.
Als seine Oper «Drei Schwestern» 1998 in Lyon uraufgeführt wurde, war diese ein Stück der postmodernen Stunde. Eötvös dekonstruierte Tschechow, ohne ihn zu verraten.
Statt der linearen Abfolge des Schauspiels entwickelte er drei Sequenzen, die das Geschehen aus den verschiedenen Perspektiven der drei Hauptfiguren verfolgen. Dieser dreifache Rückblick bot Raum für Musik und die Chance, mit der Zeit zu spielen, sie zu dehnen, zu raffen, zu verdichten. Wie oft, wenn ein Sprechstück fürs Musiktheater umgeformt wird, ist es auch hier existenziell geschärft, überhöht, in zeitlose Konfliktzonen gehoben.
Die Idee, die Schwestern von Countertenören singen zu lassen, hat hier ihren Ursprung. In seinem Stück, so Eötvös, seien sie «weder Frauen noch Männer», sondern ein «abstraktes Bild des zeitlosen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Stephan Mösch
25. Juli 2025: Letzter Tag der «Ouverture spirituelle», des Einstiegsprogramms vor der eigentlichen Eröffnung der Salzburger Festspiele. Alexander Pereira hatte dieses Vor-Spiel 2012 als Dialog der Religionen in der katholischen Festivalstadt eingeführt. Heute versteht es Intendant Markus Hinterhäuser als «Reise durch die ganze Musikgeschichte – von der Renaissance...
Wer sich mit Wagner auskennt, fürchtet sich nicht vor riesigen, ja, größenwahnsinnigen Projekten und weiß zudem, was die künstlerische Vision eines Einzelnen bewegen kann. Es war 2009, als der polnische Bassbariton Tomasz Konieczny bei einer konzertanten «Rheingold»- Aufführung in der Rolle des Alberich erstmals Aura und Akustik der damals szenisch noch...
Sein bildhauerisches und malerisches Œuvre ist hinreichend gewürdigt worden – kaum ein Kunstliebhaber kommt umhin, die Fresken dieses Künstler-Genies in der Sixtinischen Kapelle und an vielen anderen (sakralen) Stätten staunend zu bewundern. Dass Michelangelo di Lodovico Buonarroti im Verlauf seines fast 90-jährigen schöpferisch schier un -erschöpflichen Lebens...
