Tell auf Schottersteinchen
Am 24. Oktober 1998 kam Gioacchino Rossinis «Guillaume Tell» in einer Inszenierung von David Pountney erstmals nach Wien. Zumindest was die französische Fassung betrifft (vgl. OW 12/98). Der ORF hat diesen Premierenabend mit seinen Mikrofonen begleitet und den Mitschnitt im Schiller-Jahr zur Veröffentlichung bei Orfeo freigegeben.
Da die diskografische Situation dieser Fassung, mit Ausnahme von Lamberto Gardellis Einspielung von 1972 (die in Teilen von der hier gespielten abweicht), dürftig ist, sollten wir uns über diese Produktion sowohl aus repertoiretechnischer wie aus künstlerischer Perspektive freuen. Denn in der Titelrolle haben wir es mit einem vortrefflichen Tell zu tun. Thomas Hampson trifft einen beglückenden Ton zwischen gestalterischem Freiheitsdrang und Notentreue. Seine Arie «Soi immobile» zeigt sein sicheres Gespür fürs Französische; auch wenn er die Stelle «invoque Dieu, c’est lui seul, mon enfant» zu einer zusammenhängenden Phrase bindet, zeigen sich Hampsons gestalterische Intelligenz und sein atemtechnisches Rüstzeug. Die Ausrufe «Jemmy, Jemmy» spiegeln väterliche Ergriffenheit und besiegeln die Echtheit seiner Gesangskunst. Hampson trägt und prägt diese ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wer Stéphane Lissner begegnet, in Aix-en-Provence, in Paris, in Wien, trifft einen eher zurückhaltenden, ruhigen Menschen, der einen freundlich begrüßt. Wer sich allerdings die Liste der Positionen durchliest, die der 1953 in Paris geborene Lissner im Laufe der letzten dreißig Jahre besetzte und zu einem nicht unwesentlichen Teil noch besetzt hält, der muss...
Wäre Robert Musil Zeuge dieses in vielerlei Hinsicht aufschlussreichen Abends geworden, er hätte vermutlich ein verschmitztes Lächeln aufgesetzt. Wieder einmal waren sich hier jene zwei Wesenheiten (oder auch: Denk- und Existenzmodelle) begegnet, die Musil in seinem unvollendeten Roman «Der Mann ohne Eigenschaften» so kongenial hatte aufeinander stoßen lassen: der...
Das war die kurzweiligste Geschichtsstunde, die ich je erlebte: «Garibaldi en Sicile» von Marcello Panni, uraufgeführt an Neapels Teatro San Carlo. Thema des historischen Bilderbogens ist die Befreiung und Eroberung Siziliens durch Garibaldis Freiwilligenregiment im Jahr 1860, die der Herrschaft der neapolitanischen Bourbonen über Süditalien ein Ende bereitete....
