Tasten und Suchen

Benjamin Appl und James Baillieu mit einer feinfühligen Deutung von Schuberts «Winterreise»

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Im Grunde ist mit den ersten Worten das Wesentliche gesagt: «Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus.» Der Wanderer in Schuberts «Winterreise» auf die ingeniösen Verse Wilhelm Müllers weiß, wohin sein Weg ihn führt: in jenes Dunkel, aus dem er kommt, immer schon kam. Eine Lichtgestalt war er nie, wird es nicht mehr werden. Und wer noch daran zweifelte, den verweist die dämonisch-dunkle Tonart d-Moll zu Beginn des Liedes «Gute Nacht» noch einmal deutlich darauf, dass ein Glück, welcher Art es auch sein möge, hier kaum zu erheischen ist.

Der Tod wartet um die Ecke, in seinen Händen sehen wir die leeren «Leiermann»-Quinten. 

Benjamin Appl und James Baillieu, die – das sei vorweggenommen – ein wunderbares Gespann bilden, wählen von Beginn an einen Tonfall, der das Unausweichliche in sich birgt – und den Müller wie Schubert intendierten. Nichts Selbstbewusst-Resolutes wohnt den gesungenen Phrasen inne, eher ein Tasten und unsicheres Suchen; auch die fortepiani des Klaviervorspiels sind dezent gesetzt (und werden es auch im weiteren Verlauf dieses Stückes sowie in den weiteren Liedern fast ausschließlich sein). Weder der Bariton noch sein Pianist stapfen energisch übers ...

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Opernwelt 8 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 29
von Jürgen Otten

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