Magische Momente

Dvořák: Rusalka im Theater Heidelberg

Ein Bild, zu schön, um wahr zu sein: Auf einer Schaukel schwebt Rusalka übers Wasser. Die Schuppen ihres Nixenkleides funkeln von türkis bis smaragdfarben in allen Grüntönen, die lange Schärpe fließt glitzernd an ihrem Körper herab. Doch das Idyll hat einen Riss: Rusalka will heraus aus ihrer Nixenhaut, ihr nasskaltes Ich abstreifen und menschliche Gestalt annehmen, um die Liebe des Prinzen zu gewinnen.

 

Antonín Dvořáks «Rusalka», in der Andersens Märchenerzählung «Die kleine Meerjungfrau» mit dem slawischen Mythos der Rusalki verschmilzt, beschreibt eine unheilvolle Metamorphose. Und der Preis, den die Nixe für ihre Menschwerdung zahlt, ist hoch: Sie opfert ihre Stimme, die Rückkehr in die Wasserwelt ist ihr auf immer versperrt. Der Mythos weiblicher Selbstaufopferung strahlt selten so hell wie in diesem Stoff. Doch Regisseur Axel Vornam umschifft die pathetischen Klippen des Librettos, indem er den Fokus seiner Inszenierung auf Rusalkas blindwütige Sehnsucht nach Verwandlung lenkt, auf den Wunsch, eine andere zu werden. 

Wie besessen wälzt sie sich vor der Hexe Jezibaba auf dem Boden. Das glänzende Schuppenkleid scheint ihr zu eng geworden. Sie zuckt und windet sich wie bei ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 8 2022
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Silvia Adler

Weitere Beiträge
Reise in ein magisches Reich

Nichts Neues im Süden Englands? Von wegen! Das Garsington Opera Festival wartete in diesem Jahr mit einigen Novitäten auf. Bislang hatte es dort lediglich späte Opern von Händel und Vivaldi gegeben; nun blickte man ein Jahrhundert weiter zurück und präsentierte Anfang Juni Claudio Monteverdis favola in musica «Orfeo» von 1607. Dabei profitierten die Festivalmacher...

Offenes Kunstwerk

Für gewöhnlich sitzt man im Theater auf seinem Platz und harrt der Dinge, die da kommen. Flanieren geht nur in der Pause. Dass es in Susanne Kennedys Version von Philip Glass’ Oper «Einstein on the Beach» am Theater Basel anders sein wird, erfährt man schon beim Einführungsvortrag: «Das ist ein Abend, den man sich selbst baut», heißt es da. Ein Fall von immersivem...

Hand ans (kalte) Herz!

Bodø liegt im Norden Norwegens, ganz nah bei den Lofoten. Bis zum Nordpol sind es 2.526 km. Die Sommertage sind hier lang: Um Mitternacht steht eine blutrote Sonne etwa daumenbreit über dem malerischen Horizont, der von den schwarzen Scherenschnitten der im Meer liegenden Felsen aufgebrochen wird. Untergehen tut sie in dieser Jahreszeit nie. Nahe des Hafens liegt...