Magische Momente

Dvořák: Rusalka im Theater Heidelberg

Opernwelt - Logo

Ein Bild, zu schön, um wahr zu sein: Auf einer Schaukel schwebt Rusalka übers Wasser. Die Schuppen ihres Nixenkleides funkeln von türkis bis smaragdfarben in allen Grüntönen, die lange Schärpe fließt glitzernd an ihrem Körper herab. Doch das Idyll hat einen Riss: Rusalka will heraus aus ihrer Nixenhaut, ihr nasskaltes Ich abstreifen und menschliche Gestalt annehmen, um die Liebe des Prinzen zu gewinnen.

 

Antonín Dvořáks «Rusalka», in der Andersens Märchenerzählung «Die kleine Meerjungfrau» mit dem slawischen Mythos der Rusalki verschmilzt, beschreibt eine unheilvolle Metamorphose. Und der Preis, den die Nixe für ihre Menschwerdung zahlt, ist hoch: Sie opfert ihre Stimme, die Rückkehr in die Wasserwelt ist ihr auf immer versperrt. Der Mythos weiblicher Selbstaufopferung strahlt selten so hell wie in diesem Stoff. Doch Regisseur Axel Vornam umschifft die pathetischen Klippen des Librettos, indem er den Fokus seiner Inszenierung auf Rusalkas blindwütige Sehnsucht nach Verwandlung lenkt, auf den Wunsch, eine andere zu werden. 

Wie besessen wälzt sie sich vor der Hexe Jezibaba auf dem Boden. Das glänzende Schuppenkleid scheint ihr zu eng geworden. Sie zuckt und windet sich wie bei ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 8 2022
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Silvia Adler

Weitere Beiträge
Blümchenbunt und grottendüster

Hochzeitsglocken in der Wiener Staatsoper! Das heißt, genau genommen ist weniger Geläut zu vernehmen als vielmehr die Mutter aller Ouvertüren – diese allerdings schon beim Eintreffen des Publikums und aus diversen Richtungen. Blech und Trommeln schmettern und knattern die «Toccata» von der Hauptstiege herab: jene Gonzaga-Fanfare, geschaffen für den Herzog von...

Und es quietschten die Sandalen

Verdis «Aida» ist nicht ganz leicht zu inszenieren: ein sehr lautes Werk, mit vielen Chören und viel Kampfgeschrei, gerade zu Beginn. Regisseurin Jasmina Hadžiahmetović lässt den fulminanten Chor des Badischen Staatstheaters Karlsruhe inszenatorisch völlig kritikfrei sein «Guerra! Guerra! Tremenda, inesorata!» brüllen. Befinden wir uns nicht in Kriegszeiten? Warum...

Vom Ende der Zeit

Am Sommerhimmel über Perm ist von Zeit zu Zeit ein ohrenbetäubendes Geräusch zu hören – verursacht durch die Trainingsflüge der Jagdbomber von der nahegelegenen Militärbasis. Beim diesjährigen Diaghilew-Festival haben diese Flüge einen anderen Klang, und auch die schwarze Farbe der T-Shirts der freiwilligen Helfer und der Andenkenkarten hat eine völlig andere...