Tanzende Fische
In einem Selbstinterview gab Glenn Gould 1972 seine Abneigung gegen Beethovens «König-Stephan-Ouvertüre» freien Lauf – «mehr oder minder von der ersten bis zur letzten Note». Die folgenden neun Nummern dieser anlässlich der Eröffnung des Deutschen Theaters in Pest am 9. Februar 1812 komponierten Schauspielmusik erwähnte der kanadische Pianist erst gar nicht. Eine der zahllosen Schrullen des kauzigen Genies? Wer weiß? Denn im gleichen Atemzug meldete Gould auch Zweifel an Beethovens «Appassionata», an der c-moll-Symphonie und an dessen Violinkonzert an.
Nun, im Falle der Ouvertüre dürfte die Meinung des Exzentrikers mehrheitsfähig sein. Wolfgang Winterhager fällt im «Beethoven Handbuch» ein noch vernichtenderes Urteil: Zu hören seien «floskelhafte, ambitionslose Versatzstücke, die weder in der motivisch-melodischen Erfindung noch in der Instrumentation noch in der Harmonik über ein Mittelmaß hinausgehen und häufig offensichtlich nur die Zeit überbrücken sollen».
Wie führt man ein solches Werk auf? Winterhager skizziert im Hinblick auf das zeitgleich mit dem «König Stephan» entstandene Schwester-Schauspiel einen Ansatz: «Einige Stücke aus Beethovens ‹Ruinen-von-Athen›-Musik […] ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Marc Zitzmann
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