Tanz mit dem Vulkan
Manchmal tat sie gar nichts mehr auf der Bühne. Stand da wie eine erstarrte Singsäule, wie heißes Eis. Weil da diese Präsenz war, die alles und alle an die Wand drückte. Dazu ein Gesang, der im besten Sinne gestisch war, von solch einer Eloquenz und Energie, dass jede Arm -bewegung, jeder Gang nur unnütze Verdoppelung gewesen wäre. Das wusste und weiß Agnes Baltsa, weil sie einen singulären dramatischen Instinkt besitzt. Diese innere Gespanntheit, gepaart mit vokalen Grenzgängen, machte die Griechin zu einer der wichtigsten Mezzosopranistinnen ihrer Zeit.
Karajan nannte sie sogar die beste «dramatische Mezzosopranistin», womit ungewollt Probleme und Gefahren bei der Baltsa umrissen wären. Im Grunde blieb sie eine Lyrische, die ihre Stimme dehnen, strecken und belasten konnte, ohne dass sie große Blessuren davontrug. Auch weil sie gern zum Belcanto zurückkehrte. Im Frühherbst ihrer Karriere sang sie zum Beispiel noch immer die Isabella in Rossinis «L’italiana in Algeri». Keine Bizarrerie eines alternden Stars war das, die Baltsa konnte weiterhin ihr Feinbesteck auspacken. Für die Verzierungen hatte ihre Stimme stets genügend Flexibilität, entscheidend waren aber die maliziösen, ...
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Opernwelt November 2024
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Markus Thiel
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Gespräch in einem Bayreuther Wirtsgarten. «Der wos do singt, der führt aa Regie», weiß eine schon betagte Dame, die sich zu einem ungefähr gleichaltrigen Paar an einen Tisch gesellt hat. Tiefen Eindruck erzielt sie mit der Aussage nicht. Die Dame ihr gegenüber schweigt, der Herr erwidert in lakonischem Bayreuther Dialekt: «Dees is mir worschd, mich wer’n die doo...
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