Prinzip Hoffnung

Zimmermann: Requiem für einen jungen Dichter/ Feldman: Rothko Chapel am Staatstheater Darmstadt

Opernwelt - Logo

Größer könnte der Kontrast kaum sein: Auf der einen Seite Bernd Alois Zimmermanns «Requiem für einen jungen Dichter» mit seinem gigantischen Aufgebot von drei Chören, großem Orchester, Jazzband, Sängern und Tonbandeinspielungen; auf der anderen Morton Feldmans radikal reduzierte Komposition «Rothko Chapel», eine musikalische Meditation über die Gemälde von Mark Rothko.

Während Zimmermanns multiperspektivisches Geschichtspanorama Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges in komplexer Gleichzeitigkeit erklingen lässt, kreiert Feldman einen mystischen Rückzugsort der inneren Einkehr. Am Staatstheater Darmstadt werden die beiden gegensätzlichen Meisterwerke in der Inszenierung von Karsten Wiegand zu einem Doppelabend zusammengefügt.

«Worauf hoffen?», lautet das Darmstädter Spielzeitmotto, ein Zitat aus einem Gedicht von Konrad Bayer, das in Zimmermanns «Requiem» an zentraler Stelle aufgenommen wird – in die Stille hinein, nachdem die Posaunen zuvor mit stählerner Stoßkraft zum Jüngsten Gericht gerufen hatten: «Worauf hoffen? Es gibt nichts, was zu erreichen wäre, außer dem Tod», heißt es da. Ein verzweifeltes Credo, das sich wie ein düsteres Ostinato durch das gesamte Stück zieht. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2024
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Silvia Adler

Weitere Beiträge
In Langeweile versickert

Mehr als 250 Aufnahmen von Schuberts Liederzyklus «Die schöne Müllerin» listet eine Diskographie im Internet auf; Jahr für Jahr kommen neue hinzu. Um bei solchem Massenandrang aufzufallen, muss man mehr zu bieten haben als nur schönen Gesang. Die Einspielung, die Julian Prégardien und sein Klavierpartner Kristian Bezuidenhout nun vorlegen, macht zunächst neugierig....

Auf dünnem Eis

Ist das nun spektakulär oder doch nur Spektakel? Wer ein Fan des «Oper für alle»-Prinzips ist, wird Ersteres betonen, Puristen der Sakralmusik wie der historischen Aufführungspraxis dagegen wohl eher Letzteres. Nach dem Überraschungserfolg mit Hans Werner Henzes «Das Floß der Medusa» im vergangenen Herbst hat sich die Komische Oper erneut in einem Hangar des...

Von gestern auf morgen

Vor der Koksofenbatterie auf Zeche Zollverein in Essen steht ein Schwimmbecken. Einheimische genießen, unter rostigen Streben plantschend, die heiße Augustsonne. Wenige Meter weiter ein völlig anderes nasses Sujet: In der Mischanlage stecken fast nackte Menschen knöcheltief in aufgetautem Eis. Ein Chor singt Björk. «Longing for tomorrow» ist das Motto der...