Stirb und werde!
Der Teufel trägt Trenchcoat, beigefarben, darunter ähnlich getönten, ziemlich edlen Zwirn, einen Anzug samt Hemd und Weste; auf der Nase sitzt eine modische Brille. Könnte, so elegant, wie ihn Kostümbildnerin Julia Rösler eingekleidet hat, durchaus ein feiner Herr sein, doch ebensogut würde der grandios spielende und extrem variabel singende Krzszytof Bączyk als BND-Agent, Oberstudienrat oder Finanzbeamter im gehobenen Dienst durchgehen. Eines aber wird rasch klar: Gutes führt der Mann wohl kaum im Schilde.
Während sich das E-Dur-Largo betulich ausbreitet und, enharmonisch verwechselt, bald nach As-Dur moduliert, mischt er sich unters Volk der himmlischen Heerscharen und versucht mit einer Dame anzubändeln, die neben ihm auf der bühnenbreiten Bank hockt. Wenig später klaubt Mefistofele aus einem leicht zerknüllten Taschentuch jenen paradiesischen Apfel, der seine Verführungskunst in Gang setzt, und beißt wonnevoll selbst erstmal hinein. Der Geist, der stets verneint und Gutes schafft, obwohl er Böses will, hier bekundet er seine wahren Absichten.
Arrigo Boito hat ihm mit seinem «Mefistofele», zu dem er höchstselbst das Libretto verfasste, ein stattliches Denkmal gesetzt. Es ist ...
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Opernwelt November 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Jürgen Otten
Größer könnte der Kontrast kaum sein: Auf der einen Seite Bernd Alois Zimmermanns «Requiem für einen jungen Dichter» mit seinem gigantischen Aufgebot von drei Chören, großem Orchester, Jazzband, Sängern und Tonbandeinspielungen; auf der anderen Morton Feldmans radikal reduzierte Komposition «Rothko Chapel», eine musikalische Meditation über die Gemälde von Mark...
Gespräch in einem Bayreuther Wirtsgarten. «Der wos do singt, der führt aa Regie», weiß eine schon betagte Dame, die sich zu einem ungefähr gleichaltrigen Paar an einen Tisch gesellt hat. Tiefen Eindruck erzielt sie mit der Aussage nicht. Die Dame ihr gegenüber schweigt, der Herr erwidert in lakonischem Bayreuther Dialekt: «Dees is mir worschd, mich wer’n die doo...
Nach einem Studium der Textiltechnologie in Taiwan kam Kii-Ming Lo 1980 nach Deutschland, um an der Universität Heidelberg Musikwissenschaften zu studieren. Ihre Promotion erfolgte 1989 unter der Betreuung durch Ludwig Finscher mit der Dis -sertation «Turandot auf der Opernbühne». Sie ging im Anschluss zurück nach Taipeh, um eine Professur für Musikwissenschaft an...
