Tanz auf dem Vulkan
Eurydike backt eine Sahnetorte. Doch weder die süße Kalorienbombe noch ihr schicker Morgenmantel oder ihre schickgestylte Wohnküche können sie über die Langeweile ihrer bürgerlichen Ehe mit Orpheus hinwegtrösten. Entnervt folgt die junge Frau ihrem neuen Lover Pluto in die Unterwelt – der Weg dahin führt praktischerweise direkt durch den Kühlschrank. Auch auf dem Olymp langweilt man sich, da helfen keine schwebenden Wattewölkchen und auch nicht jene bunten Plastikkugeln, die sich von der Bühnendecke zu einem lustigen Bällebad ergießen.
In der Unterwelt indes ist ewige Party. Dort lassen Discokugeln, Flittervorhänge und glitzernde Paillettenfummel das Disco Fever der 1980er-Jahre wiederaufleben und laden dazu ein, alltägliche Sorgen zu vergessen. In diesem Stil wird den Zuschauern von «Orpheus in der Unterwelt» bestens gelaunter Klamauk serviert. Dabei werden die Pantoffelpatriarchen dieser Welt gutmütig verschaukelt. Sowohl Olymp-Herrscher Jupiter (Maciej Kozłowski mit barocker Zuckerwatten - perücke) als auch Unterwelts-Chef Pluto (Semjon Bulinsky im Glitzer-Gehrock und mit Teufelshörnern) torkeln hormongesteuert über die Bühne und offenbaren vor allem eines: Ihre ...
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Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Anna Schors
Man sieht es und staunt. Nell kann gehen. Zumindest am Anfang dieses Abends, der vom Ende erzählt und wie man sich darauf vorbereitet, wie man die Stufen vom Sein zum Nichts herabschwebt, ohne schwindelig zu werden. In Frack und weißem Hemd tritt also die Frau, die im Stück nach einem Unfall keine Beine mehr hat, vor den Vorhang, lächelt ins Publikum und singt mit...
Richard Strauss’ zehnte Oper gilt weithin als «Rosenkavalier zweiter Klasse». Das ist als Urteil über die Dramaturgie nachvollziehbar, denn der 1929 verstorbene Textdichter Hugo von Hofmannsthal hatte sein Libretto nicht mehr überarbeiten können. Die Uraufführung folgte erst 1933 in Dresden, fünf Monate nach der Machtübernahme Hitlers und seiner Terror-Bande. Aber...
Mit einer einzigen Geste ist Caroline Unger, die 1824 bei der Uraufführung von Beethovens Neunter die Alt-Partie sang, in die Musikgeschichte eingegangen. Sie soll den ertaubten Komponisten zum Publikum umgedreht haben, damit er den Beifall, wenn schon nicht hören, so doch wenigstens sehen konnte. Bereits 1821 hatte Unger in Wien in Rossinis «La gazza ladra»...
