Tod auf Kredit

Herbert Fritsch und Simone Young veredeln an der Wiener Staatsoper die Österreichische Erstaufführung von Kurtágs «Fin de partie»

Opernwelt - Logo

Man sieht es und staunt. Nell kann gehen. Zumindest am Anfang dieses Abends, der vom Ende erzählt und wie man sich darauf vorbereitet, wie man die Stufen vom Sein zum Nichts herabschwebt, ohne schwindelig zu werden. In Frack und weißem Hemd tritt also die Frau, die im Stück nach einem Unfall keine Beine mehr hat, vor den Vorhang, lächelt ins Publikum und singt mit zarter, liebreizender Stimme ein kleines Lied auf Samuel Becketts Minidrama «Roundelay».

Es ist ein Lied über einen einsamen Abschied: «am ganzen Strand / am Ende des Tages / Schritte einziger Laut / lange einziger Laut / bis ungebeten stille stehen / dann kein Laut / am ganzen Strand / lange kein Laut / bis ungebeten wieder gehen / Schritte einziger Laut / lange einziger Laut / am ganzen Strand / am Ende des Tages.»

Becketts Schauspiel «Fin de partie» erzählt davon. Nicht nur vom Ende des Tages, sondern vom Ende des Lebens. Schon der erste Satz weist darauf hin, er ist das Initial, dem alles Weitere folgt. «Fini, c’est fini, ça va finir, ça va peut-étre finir»: «Ende, es ist zu Ende, es geht zu Ende, es geht vielleicht zu Ende.» Auch für György Kurtág bedeutet dieser Satz das Wesentliche seiner Scènes et Monologues, die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Mit dem Clown kommen die Tränen

Tutto nel mondo è burla? Was, zumindest in Teilen, für Verdis weisen «Falstaff» gilt, trifft auf die meisten veristischen Opern, die danach komponiert wurden, kaum zu. Das Leben ist kein Vergnügen, es ist Kampf und Krampf, zuweilen zorndurchglüht und zynisch, kurz: eine existenzielle Erfahrung und nicht immer die allerbeste. Das Lachen dient nur als Fassade für die...

Vorschau und Impressum OW 12/24

Dialektisches Denken
Es ist kaum zu glauben, aber wahr: Im Januar 2025 feiert Peter Konwitschny seinen 80. Geburtstag. Schöpferisch ist er nach wie vor einer der besten Regisseure unserer Zeit; kürzlich erst hat er in Tokio die «Frau ohne Schatten» in Szene gesetzt. Die Oper Dortmund zeigt im Mai zyklisch seine grandiose «Ring»-Inszenierung, auch an anderen Häusern...

Drei Mal Leben

Das ist doch mal ein Statement: «Ich bin schön.» In diesem dreifach einsilbigen Satz der Sancta Susanna liegt gehöriger Sprengstoff. Da bricht die Energie einer jungen Frau auf, die ihren Körper in der Sittenstrenge des Klosters nicht eine Sekunde lang spüren durfte. Wo die Keuschheit von Schwester Klementia, ihrer einzigen Vertrauten, als gemeinsames Gelübde...