Symbole über Symbole
Es ist kalt im Staate Allemonde: Erstarrt und schneebedeckt sind die Natur und die grau-schwarz gesprenkelten Gemäuer, kalt und leblos sind die Seelen. Die Erstarrung zeigt sich in den Kostümen: Je älter die Figur, umso ähnlicher wird sie den Mauern. Stellvertretend für die zu echter Kommunikation unfähigen Kreaturen wird mit Puppen, Doppelgängern und Vervielfachungen kommuniziert, ein Lieblingselement von Rolf und Marianne Glittenberg. Letztere haben für Sven-Eric Bechtolfs Zürcher «Pelléas» traurige, symbolisch übersteigerte und darum nur schwer lesbare Bilder geschaffen.
Diese Bilder hängen nach, aber sie bleiben rätselhaft.
Mit der deutlichen Artikulation des Französischen, mit hellem Klang und schöner Balance in der heiklen Prosodie bildet Isabel Rey eine Art Gegenpol zur Vieldeutigkeit des Szenischen. Mit Rodney Gilfry ist die Rolle des Pelléas mit einem Bariton besetzt, wodurch sich die beiden Brüder im Stimmcharakter nahe kommen. Gilfry, leicht indisponiert, vermochte der emotionalsten Partie der Oper aber kaum Konturen zu geben. Eigenes Format hat dagegen die Zeichnung Golauds durch Michael Volle, der mit seiner warmen, runden Stimme das oft Düstere, Unzugängliche der ...
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Alle Achtung! Alfred Kirchner geriert sich in seiner Freiburger «Aida» nicht selbstgefällig als «elder statesman» der Regie – er rollt vielmehr die Ärmel auf. Er beweist, sagen wir: soziokulturelle Kompetenz. Er sieht Verdis Oper, weit weg von Verona und jedwedem Kostümschutt, als verdächtig gegenwartsnahen Kampf der Kulturen. Er bindet einen gänzlich...
Hector Berlioz‘ Künstleroper «Benvenuto Cellini» teilt mit Jacques Offenbachs «Les Contes d’Hoffmann» das Schicksal, dass sie lange Zeit in einer von der ursprünglichen Konzeption des Komponisten weit abweichenden Fassung aufgeführt wurde. Im Falle des «Cellini» war das eine unter Beteiligung von Berlioz und Liszt erstellte Bearbeitung für eine Inszenierung in...
In Tippetts letzter, in Deutschland noch nie aufgeführter Oper «New Year» (Neujahr) betritt die Anti-Heldin Jo-Ann laut Szenenanweisung die Bühne, «als ob sie von der Gewalt der Klänge draußen hereingeweht» wird. Die brutale, mit elektro-akustischen Effekten und reichlich Schlagwerk angereicherte Musik verebbt und weitet sich zu einer Gesangskantilene. «Safe,...
