Ein Jung-Siegfried nach Maß

London, Wagner: Siegfried

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Auch wenn es gegenüber dem Produktionsteam und ­allen anderen Mitwirkenden ungerecht ist, der neue «Siegfried» an der ENO (English National Opera) ist vor allem wegen des Protagonisten bemerkenswert: Ri­chard Berkeley-Steele bewältigt die Monsterpartie nicht nur stimmlich eindrucksvoll, sondern er bietet dem Publikum das äußerst seltene Ereignis, in Körpersprache, Gestik und Mimik einen Jung-Siegfried agieren zu sehen, der diesen Namen verdient. Dieser darstellerisch außergewöhnlich begabte Sänger bewegt sich auf den Sekundenbruchteil genau wie ein Jugendlicher.

Keine seiner Gesten, kein Gang, kein Schritt wirkt einstudiert oder gar opernhaft, alles erscheint natürlich und authentisch – eine Mischung aus Tennis­crack Lleyton Hewitt und Rapper Eminem.
Relativ häufig weiß dieser Baseballkappen-Siegfried nicht, wohin mit seiner Kraft und mit seinen Gefühlen. Und manchmal versteht er nicht, was und wie ihm geschieht. Die sonst detailgenau arbeitende Regisseurin Phillyda Lloyd und ihr Ausstatter Richard Hudson ersparen ihm aus guten Gründen, handwerklich korrekt das Schwert zu schmieden. In einer effektvoll beleuchteten Wellblechwerkstatt neben der tristen Einzimmerwohnung von Mime (ein ...

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Opernwelt Januar 2005
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Monika Beer

Vergriffen
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