Süße Sauce

Anna Netrebkos neues Recital «Souvenirs»

Opernwelt - Logo

Für ihr neues  Album «Souvenirs» wird Anna Netrebko im gala-bunten PR-Buch ein Text mit dem Beigeschmack hohen Schwachsinns in den Mund gelegt. Es sei «wie ein prächtiger Blumenstrauß mit den verschiedensten Blüten und Farben. Es soll eine wunderbare Palette an Gefühlen schaffen – Leidenschaft, Freude, Liebe, Zärtlichkeit». Zusammengestellt sei das Programm, so der holde Text, «wie ein gu­tes Menü».
Achtzehn Gänge hat das Menü.

Menü? Man muss schon einen pantagruelischen Appetit haben, um den gargantuesken Schmaus zu verschlingen, und einen sehr gesunden Magen, um diesen zu verdauen – auf jeden Fall aber eine hohe ästhetische Toleranzschwelle. Auf Giudittas «Meine Lippen küssen so heiß» folgt Louises Sehnsuchts­gesang «Depuis le jour», diesem die Barcarolle aus Offenbachs «Hoffmann», dieser Strauss’ «Cäcilie» – um nur vier Gänge dieses Allerlei zu nennen, bei dem jeder der achtzehn Gänge schmeckt wie jene süffig-wohlgefälligen Coca-Cola-Weine, die für den internationalen Touristenmarkt produziert werden. 
Was das Gesangliche angeht: Die Stimme von Anna Netrebko bringt jede Menge Öchsle mit. Sie ist, wenn man von einigen hart-gleißenden Turandot-Tönen in den Operetten-Titeln aus ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2008
Rubrik: Medien/CDs, Seite 26
von Jürgen Kesting

Vergriffen
Weitere Beiträge
Nights at the Opera

Musikalisch, stilistisch und dramatisch hat Puccini in «Il trittico» drei verschiedene, in sich schlüssige Welten entworfen. Jeder dieser Ein­akter könnte auch ohne die beiden anderen bestehen. Ein Haus, das alle Stücke an einem Abend zeigt, lässt sich so auf eine künstlerische Herausforderung ein, die der einer «Ring»-In­szenierung kaum nachsteht. In Los Angeles...

Die Wüste Welt - und eine Portion Hoffnung

Was wäre, gälte Schopenhauers Wort? Was also wäre, würde sich das Wesen einer Gesellschaft durch Musik ausdrücken lassen? Nähme man Aribert Reimanns «Lear»-Partitur zum Maßstab und setzte die Entstehungszeit in eins mit der Jetztzeit, es stünde gewiss nicht eben gut um die menschlichen Belange. Kaum eine Oper nach 1945 trägt so sehr die Züge des Apokalyptischen wie...

Gespenstersonate

Schon während der Orchestereinleitung, noch bevor Tatjana das erste Mal den Mund öffnet, beschleicht den Zuschauer die Ahnung, dass das, was er in den folgenden drei Stunden zu sehen bekommen wird, nicht viel mit der Geschichte zu tun hat, die Puschkin in seinem realistisch-satirischen «Roman in Versen» erzählt und die von Tschaikowsky in wissentlichem...