Süße Sauce
Für ihr neues Album «Souvenirs» wird Anna Netrebko im gala-bunten PR-Buch ein Text mit dem Beigeschmack hohen Schwachsinns in den Mund gelegt. Es sei «wie ein prächtiger Blumenstrauß mit den verschiedensten Blüten und Farben. Es soll eine wunderbare Palette an Gefühlen schaffen – Leidenschaft, Freude, Liebe, Zärtlichkeit». Zusammengestellt sei das Programm, so der holde Text, «wie ein gutes Menü».
Achtzehn Gänge hat das Menü.
Menü? Man muss schon einen pantagruelischen Appetit haben, um den gargantuesken Schmaus zu verschlingen, und einen sehr gesunden Magen, um diesen zu verdauen – auf jeden Fall aber eine hohe ästhetische Toleranzschwelle. Auf Giudittas «Meine Lippen küssen so heiß» folgt Louises Sehnsuchtsgesang «Depuis le jour», diesem die Barcarolle aus Offenbachs «Hoffmann», dieser Strauss’ «Cäcilie» – um nur vier Gänge dieses Allerlei zu nennen, bei dem jeder der achtzehn Gänge schmeckt wie jene süffig-wohlgefälligen Coca-Cola-Weine, die für den internationalen Touristenmarkt produziert werden.
Was das Gesangliche angeht: Die Stimme von Anna Netrebko bringt jede Menge Öchsle mit. Sie ist, wenn man von einigen hart-gleißenden Turandot-Tönen in den Operetten-Titeln aus ...
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