Gespenstersonate
Schon während der Orchestereinleitung, noch bevor Tatjana das erste Mal den Mund öffnet, beschleicht den Zuschauer die Ahnung, dass das, was er in den folgenden drei Stunden zu sehen bekommen wird, nicht viel mit der Geschichte zu tun hat, die Puschkin in seinem realistisch-satirischen «Roman in Versen» erzählt und die von Tschaikowsky in wissentlichem Missverstehen in ein diffiziles Seelendrama umgewandelt wurde. Diese Ahnung trügt nicht.
Denn Achim Freyer – Regisseur, Bühnenbildner und Licht-Designer in einer Person – ist ein Mann von eisernem Stilwillen, der einen einmal eingeschlagenen Weg unbeirrt zu Ende geht, auch wenn sich schon nach wenigen Metern herausstellt, dass er in eine Sackgasse führt.
An den Einzelschicksalen von Tatjana und Onegin, von Olga und Lenski ist Freyer nicht interessiert, auch nicht an den gesellschaftlichen Prämissen dieser Schicksale, also am beengten, langweiligen Leben auf dem Lande und an der prunkend-äußerlichen Fassade der Petersburger High Society. Er versucht die Geschichte so weit wie möglich zu abstrahieren und bringt sie auf den einfachsten Nenner: «Die Welt, ein ewiger Fluss des Gleichen, der auf uns zurollt und wieder vergeht». Szenisch ...
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Mrs. DiDonato, dürfen wir Ihnen ein Kompliment machen?
Gern. Welches denn?
Sie haben ein großes und für den Opernbetrieb nachgerade erstaunliches Talent als Schauspielerin. Haben Sie heimlich geübt?
Nein. Auch wenn Sie es nicht glauben. Spielen war für mich immer natürlicher als Singen, schon an der Highschool. Ich dachte nie darüber nach, was ich wie tun musste. Ich...
Noch ist Joachim Schlömer hauptamtlich Kurator von pvc Tanz Freiburg Heidelberg. Aber als Opern- und Schauspielregisseur hat er das Bloß-Choreografieren längst hinter sich gelassen, und deshalb braucht es einen nicht zu wundern, wenn die «Entführung aus dem Serail» Genregrenzen ignoriert und sich am Schluss als ein faszinierendes Forschungsprojekt erweist. Als...
Ganz oben, hoch über dem Bühnenturm, setzen vier Panther zum Sprung gen Süden an. Zum Licht, nach Arkadien, ins Reich der Musen. Dorthin, woher einst die Musik kam, die Poesie und das Spiel. Noch stehen die von den Tieren gezogenen Streitwagen auf zwei Türmchen still, gezügelt von einer weiblichen und einer männlichen Idealfigur. Aber nicht mehr lange, sagt ihre...
