Gespenstersonate

Berlin, Tschaikowsky: Eugen Onegin

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Schon während der Orchestereinleitung, noch bevor Tatjana das erste Mal den Mund öffnet, beschleicht den Zuschauer die Ahnung, dass das, was er in den folgenden drei Stunden zu sehen bekommen wird, nicht viel mit der Geschichte zu tun hat, die Puschkin in seinem realistisch-satirischen «Roman in Versen» erzählt und die von Tschaikowsky in wissentlichem Missverstehen in ein diffiziles Seelendrama umgewandelt wurde. Diese Ahnung trügt nicht.

Denn Achim Freyer – Regisseur, Bühnenbildner und Licht-Designer in einer Person – ist ein Mann von eisernem Stilwillen, der einen einmal eingeschlagenen Weg unbeirrt zu Ende geht, auch wenn sich schon nach wenigen Metern herausstellt, dass er in eine Sackgasse führt.
An den Einzelschicksalen von Tatjana und Onegin, von Olga und Lenski ist Freyer nicht interessiert, auch nicht an den gesellschaftlichen Prämissen dieser Schicksale, also am beengten, langweiligen Leben auf dem Lande und an der prunkend-äußerlichen Fassade der Petersburger High Society. Er versucht die Geschichte so weit wie möglich zu abstrahieren und bringt sie auf den einfachsten Nenner: «Die Welt, ein ewiger Fluss des Gleichen, der auf uns zurollt und wieder vergeht». Szenisch ...

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Opernwelt November 2008
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
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