Die Wüste Welt - und eine Portion Hoffnung
Was wäre, gälte Schopenhauers Wort? Was also wäre, würde sich das Wesen einer Gesellschaft durch Musik ausdrücken lassen? Nähme man Aribert Reimanns «Lear»-Partitur zum Maßstab und setzte die Entstehungszeit in eins mit der Jetztzeit, es stünde gewiss nicht eben gut um die menschlichen Belange. Kaum eine Oper nach 1945 trägt so sehr die Züge des Apokalyptischen wie dieses Werk in zwei Teilen auf Shakespeare, das 1978 in Münchens Nationaltheater seine Uraufführung erlebte, mit Dietrich Fischer-Dieskau in der Titelpartie (der Reimann zur Komposition animiert hatte).
Mehr noch als in seiner Kafka-Oper «Das Schloss», formulierte Reimann das Abgründig-Verschmutzte der Welt und ihrer Bewohner vermittels erschütternder Klänge, die den Hörer geradezu zwingen, hinabzusteigen in die Verderbtheit der menschlichen Seele. Um diese Atmo-
sphäre zu kreieren, verwendet Reimann eine Vielzahl orchestraler Mittel: weit auseinanderklaffende, gleichsam psychotisch irrlichternde Streicherlinien, dumpfes, katakombengleiches Gedröhn (und Gestöhn), massive, grell-pastose Cluster-Wände, insistierend-synkopisches Schlagwerk, und immer wieder formelhafte, an Messiaens Modi gemahnende Blechbläser-Attacken, ...
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