Suchflug über Neuland
Für Olga Neuwirth bedeutete Komponieren stets die Suche nach dem (faszinierend) Anderen, das Interagieren verschiedenster Kunstformen, kurzum: ein synästhetischer Brückenbau zwischen klassischer Musik, Film und Medien, Literatur, Architektur und Bildender Kunst.
All diese Elemente setzt sie auch in ihrem neuesten Werk «Orlando», das an der Wiener Staatsoper herausgebracht wurde, zu einem Puzzle von höchster Präzision zusammen, das hohe und scheinbar banale Idiome miteinander verknüpft, sich zuweilen in der Camouflage und Verfremdung übt, im Ergebnis zu einem schillernden Panorama der semantischen Vieldeutigkeit verdichtet.
Gleichsam wie ein diametraler Gegenentwurf zu Neuwirths kaleidoskopischem Laboratorium wirkt der Klangkosmos des dänischen Komponisten Hans Abrahamsen. Wo Neuwirth grelle, scharfe Linien zeichnet, versucht sich Abrahamsen in der Kunst der leise tönenden Magie, der konzisen Poesie, der musikalischen Anverwandlung von Natur. Insbesondere in seinem ersten Musiktheater «Snedronningen» (Die Schneekönigin), das im dänischen Original an der Königlichen Oper Kopenhagen uraufgeführt wurde und kurz darauf in englischer Übersetzung in München herauskam, üben diese ...
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Opernwelt Jahrbuch 2020
Rubrik: Uraufführung des Jahres, Seite 34
von Gerhard Persché
Die Musikkritik sieht sich heute selbstverständlich denselben Problemen gegenüber wie die von ihr besprochene Musik selbst, denn in einer formatierten Welt des like und dislike hat es der Wunsch nach Differenzierung schwer. Die Verschiebung jedweden Urteils einer unbegrenzten Anzahl von Richtern in die öffentlichen Medien hat eben nicht nur Vorteile; ein Nachteil...
Sie ist die vielleicht überwältigendste Mozart-Heroine unserer Zeit. Schrankenlos, schlackenlos, mit einem Furor in Stimme und Ausdruck, der alles hinwegpustet, was sich dieser machtvollen und unbedingten Seelenentäußerung in den Weg stellt. Sei es als Vitellia in «La clemenza di Tito» am Theater an der Wien (Foto), sei es als von Furien gejagte Elettra in...
Die Frage führt ins Innerste unser Wahrnehmung von Kunst und Leben: «Welche Rolle spielt Musik für die Menschen und deren Weltbeziehung?» Martin Pfleiderer und Hartmut Rosa stellen sie an den Beginn ihrer erhellenden, in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift «Musik und Ästhetik» erschienenen Betrachtungen über «Musik als Resonanzsphäre». Bereits in den einleitenden...
