Suchflug über Neuland

Olga Neuwirth polarisiert, polemisiert, provoziert und politisiert, sitzt gerne zwischen den Stühlen. Am liebsten würde sie auch mit ihren androgynen Klängen durch den Raum stürmen

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Für Olga Neuwirth bedeutete Komponieren stets die Suche nach dem (faszinierend) Anderen, das Interagieren verschiedenster Kunstformen, kurzum: ein synästhetischer Brückenbau zwischen klassischer Musik, Film und Medien, Literatur, Architektur und Bildender Kunst.

All diese Elemente setzt sie auch in ihrem neuesten Werk «Orlando», das an der Wiener Staatsoper herausgebracht wurde, zu einem Puzzle von höchster Präzision zusammen, das hohe und scheinbar banale Idiome miteinander verknüpft, sich zuweilen in der Camouflage und Verfremdung übt, im Ergebnis zu einem schillernden Panorama der semantischen Vieldeutigkeit verdichtet.

Gleichsam wie ein diametraler Gegenentwurf zu Neuwirths kaleidoskopischem Laboratorium wirkt der Klangkosmos des dänischen Komponisten Hans Abrahamsen. Wo Neuwirth grelle, scharfe Linien zeichnet, versucht sich Abrahamsen in der Kunst der leise tönenden Magie, der konzisen Poesie, der musikalischen Anverwandlung von Natur. Insbesondere in seinem ersten Musiktheater «Snedronningen» (Die Schneekönigin), das im dänischen Original an der Königlichen Oper Kopenhagen uraufgeführt wurde und kurz darauf in englischer Übersetzung in München herauskam, üben diese ...

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Opernwelt Jahrbuch 2020
Rubrik: Uraufführung des Jahres, Seite 34
von Gerhard Persché

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