Sturm und Drang
Mit dem Logo «OH!» – rote Großbuchstaben im roten Kreis – versucht die schwäbische Kreisstadt Heidenheim (50 000 Einwohner) Musikfreunde aus allen Regionen zu ihren Opernfestspielen zu locken, die seit den frühen siebziger Jahren im offenen Rittersaal auf Schloss Hellenstein stattfinden. Ein respektvolles «Oha!» kann sich auch der aus der Hauptstadt angereiste Kritiker nicht versagen, und das gilt nicht nur den künstlerischen Leistungen, sondern ebenso dem ausgeprägten Bürgersinn der Heidenheimer, die stolz sind auf ihr Festival und es sich etwas kosten lassen.
Vier Spalten füllt die Liste der Sponsoren im Programmheft. Geht man durch die Stadt, ist allenthalben von der Oper die Rede. Die Wirtin meines Hotels kommt zum Frühstück an meinen Tisch, versorgt mich mit Informationen und lockt als Gegenleistung eine Morgenkritik aus mir heraus.
In diesem Jahr war das Festival in Turbulenzen geraten, nachdem die Stadt den Schweizer Dirigenten Marco-Maria Canonica, dem sie ein Vierteljahrhundert entscheidender Aufbauarbeit verdankt, fristlos entlassen hatte, angeblich wegen Etatüberziehungen. Mit dem Aachener GMD Marcus Bosch, einem gebürtigen Heidenheimer, fand sich zwar überraschend ...
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Nur alle fünf Jahre findet der 1984 ins Leben gerufene und nach der Sängerin und Gesangspädagogin Mirjam Herlin (1911-2006) benannte Gesangswettbewerb in Helsinki statt. Er genießt internationales Ansehen und kann bereits auf eine stolze Siegerliste zurückblicken, in der sich Namen wie Vladimir Chernov, Olaf Bär, Andrea Rost, René Pape und Elina Garanca finden. Die...
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Auch wenn man diese «Parsifal»-Inszenierung zum zweiten Mal erlebt, kann nur ein Bruchteil der ständig flutenden Bilder im Gedächtnis bleiben. Die Zeitreise von der Uraufführung 1882 bis in Adenauers Bundestag ist klarer geworden (sie ist in diesem Jahr durch Flüchtlinge ergänzt, die nach «Ich sah ihn und lachte...» von NS-Soldaten weggeführt werden). Doch sie...
