Sturm und Drang
Mit dem Logo «OH!» – rote Großbuchstaben im roten Kreis – versucht die schwäbische Kreisstadt Heidenheim (50 000 Einwohner) Musikfreunde aus allen Regionen zu ihren Opernfestspielen zu locken, die seit den frühen siebziger Jahren im offenen Rittersaal auf Schloss Hellenstein stattfinden. Ein respektvolles «Oha!» kann sich auch der aus der Hauptstadt angereiste Kritiker nicht versagen, und das gilt nicht nur den künstlerischen Leistungen, sondern ebenso dem ausgeprägten Bürgersinn der Heidenheimer, die stolz sind auf ihr Festival und es sich etwas kosten lassen.
Vier Spalten füllt die Liste der Sponsoren im Programmheft. Geht man durch die Stadt, ist allenthalben von der Oper die Rede. Die Wirtin meines Hotels kommt zum Frühstück an meinen Tisch, versorgt mich mit Informationen und lockt als Gegenleistung eine Morgenkritik aus mir heraus.
In diesem Jahr war das Festival in Turbulenzen geraten, nachdem die Stadt den Schweizer Dirigenten Marco-Maria Canonica, dem sie ein Vierteljahrhundert entscheidender Aufbauarbeit verdankt, fristlos entlassen hatte, angeblich wegen Etatüberziehungen. Mit dem Aachener GMD Marcus Bosch, einem gebürtigen Heidenheimer, fand sich zwar überraschend ...
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Il grande cacciatore. Irgendwie erinnert die stete Jagd Giacomo Puccinis (der im Übrigen auch echtes Wild mit großer Begeisterung erlegte) nach Frauenliebe an Max Frischs Schauspiel «Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie», in dem der Titelheld an der Einsicht reift, wirkliche Erfüllung im realen Leben nicht finden zu können, und sich deswegen in die Geometrie...
Es ist schon fast eine betriebliche Übung in den Medien unseres Landes: Je näher es auf die Bayreuther Festspiele zugeht, desto niedriger ist die Hürde, die eine Nachricht überspringen muss, um eifrig publiziert zu werden. Da wird schon einmal vermeldet, dass Katharina Wagner privat mit Holz-Pellets heizt. Aber es gab auch Wichtiges wie den ersten Warnstreik der...
Was die Frage der schnellen «Parsifal»-Tempi betrifft, liegt Gustav Kuhn sicher richtig. Wagner wollte einen durchweg flüssigen Duktus für sein Bühnenweihfestspiel. Kein Pathos, keine bis an die Grenzen der Spielbarkeit (Atem der Bläser!) getriebenes Stillstehen der Zeit. Insofern ist die Initiative aus Erl zu begrüßen: «Parsifal» auf nur drei CDs. Trotzdem fragt...
