Sturm und Drang
Mit dem Logo «OH!» – rote Großbuchstaben im roten Kreis – versucht die schwäbische Kreisstadt Heidenheim (50 000 Einwohner) Musikfreunde aus allen Regionen zu ihren Opernfestspielen zu locken, die seit den frühen siebziger Jahren im offenen Rittersaal auf Schloss Hellenstein stattfinden. Ein respektvolles «Oha!» kann sich auch der aus der Hauptstadt angereiste Kritiker nicht versagen, und das gilt nicht nur den künstlerischen Leistungen, sondern ebenso dem ausgeprägten Bürgersinn der Heidenheimer, die stolz sind auf ihr Festival und es sich etwas kosten lassen.
Vier Spalten füllt die Liste der Sponsoren im Programmheft. Geht man durch die Stadt, ist allenthalben von der Oper die Rede. Die Wirtin meines Hotels kommt zum Frühstück an meinen Tisch, versorgt mich mit Informationen und lockt als Gegenleistung eine Morgenkritik aus mir heraus.
In diesem Jahr war das Festival in Turbulenzen geraten, nachdem die Stadt den Schweizer Dirigenten Marco-Maria Canonica, dem sie ein Vierteljahrhundert entscheidender Aufbauarbeit verdankt, fristlos entlassen hatte, angeblich wegen Etatüberziehungen. Mit dem Aachener GMD Marcus Bosch, einem gebürtigen Heidenheimer, fand sich zwar überraschend ...
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Die Szenerie war imposant. Die Wiener Philharmoniker füllten in voller Breite die Felsenreitschule, links hoch oben thronte die Schlagwerk-Gruppe auf einem gesonderten Podest. Rechts hing eine riesige Video-Wand mit grauweißer Grundmusterung, darunter war der Chor, die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor, postiert. Links hinten erstreckten sich sechs oder...
«Jede Fotografie», schrieb Susan Sontag in ihrer kleinen Philosophie der
Kamerakunst, «ist eine Art Memento mori. Fotografieren bedeutet teilnehmen an der Sterblichkeit, Verletzlichkeit und Wandelbarkeit anderer Menschen (oder Dinge). Eben dadurch, dass sie diesen einen Moment herausgreifen und erstarren lassen, bezeugen alle Fotografien das unerbittliche...
Mit seiner 126. Bühnenrolle gab Plácido Domingo im März 2008 an Madrids Teatro Real ein überraschendes Debüt. Der Bajazet im «Tamerlano», den Domingo anschließend auch in London und Washington präsentierte, war die erste Händel-Rolle des damals 67-Jährigen überhaupt – ein mutiger Schritt für einen Sänger, der bis dahin selbst Mozart nur ausnahmsweise («Idomeneo»)...
