Schmerzensmann

Plácido Domingos spätes Händel-Debüt: "Tamerlano" aus Madrid.

Opernwelt - Logo

Mit seiner 126. Bühnenrolle gab Plácido Domingo im März 2008 an Madrids Teatro Real ein überraschendes Debüt. Der Bajazet im «Tamerlano», den Domingo anschließend auch in London und Washington präsentierte, war die erste Händel-Rolle des damals 67-Jährigen überhaupt – ein mutiger Schritt für einen Sänger, der bis dahin selbst Mozart nur ausnahmsweise («Idomeneo») in Angriff genommen hatte.

Zum Barocksänger wurde Domingo für diese Rolle natürlich nicht: Die Koloraturen seiner beiden Arien im ersten Akt, «Forte lieto a morte andrei» und «Ciel e terra armi di sdegno» sind für ihn keine Ausdrucksmittel, sondern eher Hindernisse, die irgendwie überwunden werden müssen. Domingos Interesse für Bajazet dürfte ohnehin andere Gründe gehabt haben: Erstens liegt die Rolle relativ tief. Zweitens ist der gestürzte Sultan eine szenisch glaubwürdige Partie für einen Tenor, der seine grauen Schläfen nicht verstecken möchte. Und drittens ist der Bajazet mit seiner großen Todesszene im dritten Akt die eigentliche Hauptfigur der Oper. Hier kann Domingo denn auch am stärksten fesseln – etwa im Arioso «Figlia mia», für das er anrührend weiche Piano-Töne findet. Anders als der wahnwitzige, hitzköpfige ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2009
Rubrik: Medien, Seite 47
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Weltabschiede

Man fährt nicht der schönen Stimmen wegen nach Martina Franca. Die Gemeinde neugieriger Melomanen, die sich seit 1975 regelmäßig in der apulischen Barockstadt trifft, treibt Entdeckerlust. Viele lange nicht gespielte Stücke aus ­Barock, Romantik und Verismo oder bekannte Titel in ungewöhnlichen Fassungen lernt man nur hier kennen. Die Regie arrangiert meist...

„Die Musik durchschreiten”

 

 

"Es ist für mich das Größte, die Musik von Bach zu spielen, an ihr zu arbeiten! Diese Musik zu durchschreiten, egal ob am Instrument oder Radio, gibt mir jedes Mal Kraft und Ruhe." Der Geiger Frank Peter Zimmermann (Foto) zählt - fern von Kommerz und Medienrummel - zu den Größten seiner Generation. In Film von Benedict Mirow und Dorothee Binding gewährt er...

Salzburg in New Mexiko

Als der Dirigent John Crosby (der unter anderem bei Paul Hindemith in Yale studierte) Mitte der 1950er Jahre in der Wüste New Mexicos, ein paar Kilometer außerhalb von Santa Fe, eine Schweinefarm kaufte, wusste er genau, was er wollte. Der passionierte Opernfan ließ dort ein Freilufttheater mit atemberaubendem Blick auf die Jemez Mountains errichten. Das war die...