Stummes Los, laute Aktion
Die Stumme hat viel zu sagen. Schon vom ersten Moment an, da sie – noch während Publikum in den Saal strömt – im bis vor den Orchestergraben reichenden Wohnambiete (Bühnenbild: Utz) einfach nur dasteht wie eine jener menschlichen Statuen, die in den Fußgängerzonen für ein Bakschisch Stille halten. Vor ein paar Jahren in Cardiff war Linda Kitchen eine bezaubernde Gretel in Richard Jones’ skurriler Exegese von Humperdincks Märchenoper.
In Jones’ szenischer Uraufführung von Gerald Barrys Fassbinder-Oper «The Bitter Tears of Petra von Kant» an der English National Opera gibt sie nun keinen Laut und lässt uns dennoch den Atem anhalten.
Sie ist Marlene, Petras Sekretärin, das arme Tier, das später die geliebte Herrin ständig umstreicht, Drinks apportiert, Korrespondenz tippt, Petras Liebe zu Karen mit schmalen Augen beobachtet. Dabei wirkt sie wohl aggressiver als die sanft vor sich hin leidende Irm Hermann in Fassbinders Film, aber keineswegs weniger verletzlich. Am Schluss dann, als die von Karen gedemütigte Petra sie endlich wahrzunehmen scheint und auffordert, doch von sich selbst zu erzählen, stürzt sie zu gewaltsamen Orchesterakkorden davon, mit aufgerissenem Mund, immer noch ...
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Vielleicht ist im Fall von Puccinis Bühnenerstling der Verzicht auf die Szene ein Gewinn. Zwar hätte sich Kirsten Harms, an Raritäten des Musiktheaters stets interessierte Intendantin der Deutschen Oper Berlin, gewiss auch einem voll ausgestatten Relaunch der tragisch krausen Schwarzwaldromanze «Le villi» (1883/84) des Fünfundzwanzigjährigen nicht verweigert, doch...
Wieder, wie schon bei seiner letztjährigen Bremer «Turandot», vertraut Peer Boysen auf die Ausdruckskraft seiner exzentrischen Kostümentwürfe, wieder führt er die Personen mehr stilisiert als realistisch und erzielt damit bei Janáceks «Katja Kabanova» womöglich noch stärkere Wirkungen. Die Kabanicha, unfreiwillige Drahtzieherin des tragischen Geschehens, erscheint...
Umberto Giordanos «La Gioconda» mag in puncto Unglaubwürdigkeit der Handlungsabläufe Verdis «Trovatore» oder «Forza» und so manche Barockoper weit übertreffen, uninszenierbar ist sie keineswegs. Aber zunächst einmal müsste der (Bühnen-)Raum stimmig sein. Schwarzes Gusseisen, venezianische Brückenlandschaften, triste Beleuchtung und Nebelschwaden erzeugen keine...
