Stummes Los, laute Aktion
Die Stumme hat viel zu sagen. Schon vom ersten Moment an, da sie – noch während Publikum in den Saal strömt – im bis vor den Orchestergraben reichenden Wohnambiete (Bühnenbild: Utz) einfach nur dasteht wie eine jener menschlichen Statuen, die in den Fußgängerzonen für ein Bakschisch Stille halten. Vor ein paar Jahren in Cardiff war Linda Kitchen eine bezaubernde Gretel in Richard Jones’ skurriler Exegese von Humperdincks Märchenoper.
In Jones’ szenischer Uraufführung von Gerald Barrys Fassbinder-Oper «The Bitter Tears of Petra von Kant» an der English National Opera gibt sie nun keinen Laut und lässt uns dennoch den Atem anhalten.
Sie ist Marlene, Petras Sekretärin, das arme Tier, das später die geliebte Herrin ständig umstreicht, Drinks apportiert, Korrespondenz tippt, Petras Liebe zu Karen mit schmalen Augen beobachtet. Dabei wirkt sie wohl aggressiver als die sanft vor sich hin leidende Irm Hermann in Fassbinders Film, aber keineswegs weniger verletzlich. Am Schluss dann, als die von Karen gedemütigte Petra sie endlich wahrzunehmen scheint und auffordert, doch von sich selbst zu erzählen, stürzt sie zu gewaltsamen Orchesterakkorden davon, mit aufgerissenem Mund, immer noch ...
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Mit einem beispiellosen Premieren-Marathon wurde die in den letzten Kriegstagen zerstörte Wiener Staatsoper am Ring vor einem halben Jahrhundert wiedereröffnet: Sieben Neuproduktionen in vier Wochen müssen das Ensemble und die Kollektive bis an den Rand der Leistungsfähigkeit gefordert haben. Doch von Erschöpfung keine Spur. Ein Funke der Begeisterung scheint alle...
Wenn es ums Geld geht, hört der Spaß bekanntlich auf. Manchmal fängt er allerdings, gibt man nur genug davon für prestigeträchtige Kulturbauten aus, dann auch erst so richtig an. Rund zweihundertfünfzig Millionen Euro hat man sich im spanischen Valencia einen von Star-Architekt Santiago Calatrava entworfenen «Palast der Künste» kosten lassen – in der Erwartung, das...
Vielleicht ist im Fall von Puccinis Bühnenerstling der Verzicht auf die Szene ein Gewinn. Zwar hätte sich Kirsten Harms, an Raritäten des Musiktheaters stets interessierte Intendantin der Deutschen Oper Berlin, gewiss auch einem voll ausgestatten Relaunch der tragisch krausen Schwarzwaldromanze «Le villi» (1883/84) des Fünfundzwanzigjährigen nicht verweigert, doch...
