Stückwerk, ungezuckert
Ein ganzes Opernhaus zu schultern, das wäre dann wohl der nächste Schritt. Vielleicht, wenn der Kehlkopf nicht mehr richtig will. Oder der Startenor keine Lust auf das hat, was sich im Karriereherbst alles anbietet – Herodes, Aegisth, der Kaiser in «Turandot», irgendetwas in der Art. «Ein kleines Hineinschnuppern in das Genre», nannte Jonas Kaufmann sein zweites Standbein im persönlichen Gespräch. Ein paar Monate vor dem Beginn der Amtszeit war das. «Und wenn mich das sehr packt, wie ich fürchte», fügte er hinzu, «werde ich es vielleicht noch länger machen».
Jetzt sitzt er als Intendant im Festspielhaus Erl, mittleres Parkett, unmittelbar hinter dem milliardenschweren Mäzen und früheren Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner. Und bleibt auch dort, also fast unsichtbar, abgesehen von vernehmlichen Schwätzchen mit dem Geldgeber. Kein kurzer Ausflug an die Rampe, keine Begrüßung, keine nachträglichen Weihnachtswünsche. Wie seltsam: Die ersten Tiroler Festspiele unter Kaufmanns Ägide starten ohne verbales Vorspiel, sondern gleich mit vier angriffslustigen Unisono-Noten von Fagott, Celli und Kontrabässen – dem Beginn von «La Bohème».
Das Haus ist ausverkauft, so hatte es sich ...
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Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Markus Thiel
Der König ist geschlagen. Auf die Knie gezwungen. Gedemütigt von der Dame, die keine Dame ist, sondern – das Duett des zweiten Akts zwischen Tochter und Vater (das einzige im gesamten Stück) ist musikalischer Beweis genug – ein machthungriges Monster. Nun sitzt er da auf einem Stuhl, einen Strick mit Halsschlinge über und ein Schild mit der Aufschrift «Non son più...
Dass die vom Genre der Opéra-bouffe vorgesehene Rettung des Paares aus aussichtsloser Einkerkerung gelingt, liegt an einem alten Gefangenen, der sich seit zwölf Jahren mit einem Messerchen einen Tunnel in die Freiheit gräbt: Im genau richtigen Moment hat er sich nun in die Zelle der Périchole und ihres Piquillo durchgewühlt. Es fehlten, sagt er, bloß noch zwölf...
Man schreibt den August 1756, da steht Marianne Pirker als Mandane in Niccolò Jommellis «Artaserse» noch auf der Bühne der Stuttgarter Hofoper. Zwei Wochen später wird sie zusammen mit ihrem Mann, dem Geiger Franz Pirker, verhaftet und – der Willkür des württembergischen Herzogs Carl Eugen ausgeliefert – acht Jahre lang eingesperrt, zunächst auf dem Hohentwiel,...
