Bellini: Norma (Haider)
Eine Frau wird zur Erlebnisbaustelle. Das hängt zum einen mit der kniffligen Situation zusammen, in der sie sich befindet: Sie ist gallische Druidenpriesterin und hat zwei uneheliche Kinder von einem Römervater, der nun überlegt, sich mit einer anderen davonzumachen. Zum anderen hat diese Frau jede Menge komplizierter Töne vor der Brust, weswegen die Zahl derer, die der Versuchung erlegen sind, in ihre Rolle zu schlüpfen, auch deutlich größer ist als jenes elitäre Grüppchen, das dieser Partie wirklich gewachsen ist.
Die Frau Norma des Herrn Bellini ist nun mal nicht einfach zu singen und noch weniger leicht zu gestalten. Heroine, Tragödin, Rächerin – allesamt Attribute, die galliges Gift auf den Stimmbändern quasi voraussetzen. Doch nun ist mit der Darstellung Edita Gruberovas die Schallplattengeschichte um ein «Norma»-Kapitel reicher, das diese Figur auch von einer anderen, persönlicheren Seite zeigt und sich zugleich den historischen Wurzeln wieder annähert – was nicht mit Gruberovas Wahl zusammenhängt, die «Casta diva» in dem von Bellini ursprünglich vorgesehenen G-Dur und nicht in dem erst später nach unten verlegten F-Dur zu singen. Das Nur-Dramatische hat in Gruberovas ...
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Die Situation, mit der uns Alessandro Scarlattis 1718 in Rom uraufgeführtes Melodramma «Telemaco» konfrontiert, ähnelt einer anderen Oper, die auf denselben Stoffquellen – Homers «Odyssee» und Fénelons aufklärerischem Erziehungsroman «Les Aventures de Télémaque» – beruht: Mozarts «Idomeneo». Wie der aus dem trojanischen Krieg heimkehrende Kreterfürst wird auch...
Frau Stemme, bevor Sie Opernsängerin wurden, haben Sie in Ihrer Heimatstadt Stockholm Volks- und Betriebswirtschaft studiert. Prägt Sie die ökonomische Denkweise, das genaue Kalkulieren und Disponieren, auch heute noch?
Sicher, im übergeordneten Sinne schon. Erstens lernt man dort, dass sich die Wirklichkeit nun einmal nicht exakt kalkulieren lässt – denken Sie an...
Das nächtliche Warten der «Frau Schmetterling» im Hochzeitskleid auf die heiß ersehnte Ankunft ihres Mannes aus dem fernen Amerika – Doris Dörrie nimmt es symbolisch. Sie zeigt Butterflys Traum, zeigt, wie Puccinis Titelheldin, eingesponnen wie eine Raupe in einen weißen Kokon, sich langsam aus ihrer Verpuppung windet, mit einem Fächer auf dem Rücken zu einem...
