In der Zeitfalle
Die erste Oper des Komponisten Lorin Maazel ist eine Liebesgeschichte, bei der es besonders auf die Verhältnisse ankommt. Julia liebt Winston und Winston liebt Julia. Doch nicht die Familien, wie es sonst in solch klassischer Konstellation der Fall ist, sind gegen diese Liebe, sondern der alles überwachende Staat ist es. Deshalb wird das heimliche Liebesnest in der Vorstadt von einer schwer bewaffneten Eingreiftruppe gestürmt, als gälte es, Terroristen dingfest zu machen. Die Delinquenten werden verhört und psychologisch raffiniert gefoltert.
Es ist der «Große Bruder» aus George Orwells Nachkriegsbestseller «1984», der hier zuschlägt. Über die deskriptive Treffgenauigkeit dieser düsteren Vision lässt sich, gut ein halbes Jahrhundert nach ihrer Entstehung, gewiss streiten. Der allgegenwärtige und alles überwachende «Big Brother» jedenfalls hat es immerhin in den Sprachgebrauch der Selbstbeschreibung der Gegenwart geschafft – als billiger Abklatsch für die Unterhaltungsindustrie und als Metapher für den drohenden Überwachungsstaat.
Die einst von August Everding eigentlich für München initiierte Oper wurde jetzt am Royal Opera House Covent Garden uraufgeführt. Für die Renommierbühne ...
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Wenn zwei Königskinder sich trauen und der König dazu eine Oper bestellt, dann darf das Ganze, dem Anlass gemäß, nicht wild oder gar anstößig geraten. Für Georg Friedrich Händel half da 1736 in London ein Stoff, der uns heute beachtlich albern erscheint. Zwei Paare, die sich ihrer Zuneigung gewiss sind, stellen in zweieinhalb Stunden alles Mögliche an, um genau...
Als Cyrano de Bergerac in der gleichnamigen Oper nach Edmond Rostand stellte sich Plácido Domingo an der Metropolitan Opera nun in seiner 121. Rolle vor. Von einem verschollenen Meisterwerk kann dabei keine Rede sein, wohl aber von einer brauchbaren, bisweilen faszinierenden pièce d’occasion für einen romantisch veranlagten Star-Tenor d’un certain âge (lies: 64).
Pa...
Das nächtliche Warten der «Frau Schmetterling» im Hochzeitskleid auf die heiß ersehnte Ankunft ihres Mannes aus dem fernen Amerika – Doris Dörrie nimmt es symbolisch. Sie zeigt Butterflys Traum, zeigt, wie Puccinis Titelheldin, eingesponnen wie eine Raupe in einen weißen Kokon, sich langsam aus ihrer Verpuppung windet, mit einem Fächer auf dem Rücken zu einem...
