Störungsfrei
Inzwischen kann man die «Turandot» ruhig die «Königin der Opern» nennen. Ein Wohlfühlevent, auf das sich alle einigen können; das Stück, mit dem man bei der Jugend am ehesten frische Begeisterung fürs Genre erzeugt, eine Art Lunapark, mit einer nie unterbrochenen Ohrwurmdichte, die es auch Anfängern ermöglicht, die wichtigsten Melodien und Motive der Partitur binnen Tagen zu inhalieren.
In der neuen «Turandot»-Produktion der Staatsoper Berlin bewegt sich das Ganze sängerisch fast durchweg auf Festspielniveau – mit Aida Garifullina als glasklar unpathetische Liù, Elena Pankratova als Titelheldin, die das beabsichtigt Grelle ihres Parts (Puccini setzte damit seiner Gattin Elvira ein Denkmal) nicht übertreibt, und Yusif Eyvazov (Calaf ), der vom ersten Ton an Vollgas gibt, mit seiner samtig-dunklen Farbe aber die Gefilde der Eleganz nie verlässt, nie ins protzig-geckenhafte der Rolle verfällt. René Pape agiert als Timur nicht besonders auffällig; absolut unnötig sind dagegen die Buh-Rufe für Siegfried Jerusalem, der mit dem verbliebenen Rest seiner Stimme die Partie des greisen Kaisers durchaus überzeugend gibt.
Das Dirigat des 86-jährigen Zubin Mehta beginnt mit leicht behäbigen ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Helmut Kreusser
Für eine gute «Salome»-Aufführung ist man immer dankbar. Die Dauer von nicht einmal zwei Stunden, das gesamte Richard-Strauss-Instrumentations- und Pathos-Paket (samt sarkastischer Fagott-Soli), die klare Geschichte. Sicher, keine Hoffnung, nirgends. Dafür Dekadenz, Fieslinge, ein Proto-Jesus, eine junge Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs. Am Pfalztheater...
Zugegeben, die Handlung verwirrt, schon allein die Fährnisse der weiblichen Hauptfigur machen schwindelig. Mag ihr Namenswechsel von Maria zu Amelia noch angehen, droht die Biografie der jungen Frau als Opfer eines Raubes, vertauschtes Findelkind, wiedergefundene Tochter Boccanegras und Enkelin seines patrizischen Erzfeindes Fiesco das Publikum zu überfordern. Und...
Des Straussen Richards Oscar-Wilde-Vertonung
Schrieb Erstgenannter kurz nach Fin de Siècle.
Sie spielt in dem Herodes seiner Wohnung,
Zur Bibelzeit, mit manchem Sex-Geschmäckle.
Herodes Tochter will kein Finger-Food!
Nein, nein, sie will den Typen aus dem Keller.
Doch der will nicht – sie krächzt vor Wut, will Blut.
Sie brüllt und sagt: «Okay, bringt einen...
