Liebestriebe

G. Scarlatti : I portentosi effetti della Madre Natura in Potsdam bei den Musikfestspielen Sanssouci

Diese Oper, zentrale Premiere der diesjährigen Potsdamer Musikfestspiele, trägt einen höchst eigenwilligen Titel: «I portentosi effetti della Madre Natura», zu deutsch: «Die wundersamen Wirkungen von Mutter Natur». Was könnte damit gemeint sein? Auch wenn das Programmheft suggeriert, man könne darunter den Anbruch eines neuen Wissenschaftszeitalters verstehen oder jene politische Revolution, die Ende des 18. Jahrhunderts in der Luft liegt, so macht sich auf den Brettern des Schlosstheaters im Neuen Palais Sanssouci doch vor allem ein Effekt der Natur breit: der Liebestrieb.

Von dem wird Celidoro im Wortsinn übermannt. Sein Leben lang wurde der Arme gefangen gehalten, obwohl oder gerade weil er Sohn des Königs von Mallorca ist. Von Mallorca? Das hinterfragen wir jetzt mal nicht, bekanntlich war es im Barock und selbst noch bei Verdi durchaus üblich, Handlungen an weit entfernte, mysteriöse Orte zu verlegen, um der Zensur zu entgehen. 

Das Libretto stammt von Carlo Goldoni, der für die Opera buffa eine ähnlich wichtige Rolle gespielt hat wie Metastasio für die Seria – die des unverzichtbaren Lieferanten von Textdichtungen. Vertont hat sie Giuseppe Scarlatti. Der Neapolitaner ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 8 2022
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Udo Badelt

Weitere Beiträge
Glosse: Kinder, zieht euch um!

Es war Sommer in Bayreuth, es war heiß, und man wusste: Die sechsstündige «Götterdämmerung» würde wohl doch eher eine Menschendämmerung sein, oder besser: eine Menschenkörpererwei- chung durch fortwährende Schweißausbrüche. Inhaberinnen und Inhaber eines gut funktionierenden Deos mochten im Vorteil sein, ihre Ausdünstungen würden sich als weniger schlimm erweisen...

«Ich mag coole Charaktere»

Frau Wilson, zu Jahresbeginn wurden Sie in Stuttgart für die Titelrolle von Vivaldis «Juditha triumphans» gefeiert. Die Produktion konnte erst nach mehreren Anläufen und monatelanger Pause herausgebracht werden. Wie motiviert man sich nach so langer Zeit für die Premiere?
Ich fand es anfangs schwierig, sich wieder zu motivieren. Ich sagte mir zwar: Okay, wir haben...

Reise in ein magisches Reich

Nichts Neues im Süden Englands? Von wegen! Das Garsington Opera Festival wartete in diesem Jahr mit einigen Novitäten auf. Bislang hatte es dort lediglich späte Opern von Händel und Vivaldi gegeben; nun blickte man ein Jahrhundert weiter zurück und präsentierte Anfang Juni Claudio Monteverdis favola in musica «Orfeo» von 1607. Dabei profitierten die Festivalmacher...