Liebestriebe
Diese Oper, zentrale Premiere der diesjährigen Potsdamer Musikfestspiele, trägt einen höchst eigenwilligen Titel: «I portentosi effetti della Madre Natura», zu deutsch: «Die wundersamen Wirkungen von Mutter Natur». Was könnte damit gemeint sein? Auch wenn das Programmheft suggeriert, man könne darunter den Anbruch eines neuen Wissenschaftszeitalters verstehen oder jene politische Revolution, die Ende des 18. Jahrhunderts in der Luft liegt, so macht sich auf den Brettern des Schlosstheaters im Neuen Palais Sanssouci doch vor allem ein Effekt der Natur breit: der Liebestrieb.
Von dem wird Celidoro im Wortsinn übermannt. Sein Leben lang wurde der Arme gefangen gehalten, obwohl oder gerade weil er Sohn des Königs von Mallorca ist. Von Mallorca? Das hinterfragen wir jetzt mal nicht, bekanntlich war es im Barock und selbst noch bei Verdi durchaus üblich, Handlungen an weit entfernte, mysteriöse Orte zu verlegen, um der Zensur zu entgehen.
Das Libretto stammt von Carlo Goldoni, der für die Opera buffa eine ähnlich wichtige Rolle gespielt hat wie Metastasio für die Seria – die des unverzichtbaren Lieferanten von Textdichtungen. Vertont hat sie Giuseppe Scarlatti. Der Neapolitaner ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Udo Badelt
arte
07.08. – 17.05 Uhr Mahler: Symphonie Nr. 6 «Die mit dem Hammer!» (Und Andris Nelsons am Pult der Wiener Philharmoniker. Ein Mitschnitt von den Salzburger Festspielen 2020). In seiner 6. Symphonie orientiert sich Mahler, nach seiner eher freien Handhabung der Symphonieform in den Werken davor, wieder stark am klassischen symphonischen Formmodell – es gibt nur...
Fremdes Leiden, fremde Leidenschaft, wohin das Auge schaut. Die Grand Opéras von Giacomo Meyerbeer, Jacques Fromental Halévy, Daniel-François-Esprit Auber und anderen aus jener Sattelzeit, die der Philosoph Hans Blumenberg als «Epochenschwelle» beschrieb, sind nicht nur opulente Sittengemälde, in ihnen bildet sich, vor geschichtlich definiertem Hintergrund, das...
Huldigungswerke sind eine ambivalente Angelegenheit. Im Lobpreis auf den hochmögenden Herrscher – denn darin allein besteht ihr Zweck – verbirgt sich immer auch eine dem Schöpfer abgezwungene Unterwerfungsgeste. Wohl kaum ein Dichter, kaum ein Compositeur, der seinem Fürsten aus freien Stücken und mit unverstellter Begeisterung einen Lorbeer aus Versen und Tönen...
