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Plädoyer für die Kunst hier, tändelndes Spiel dort: Wagners «Meistersinger» in Halle und Dresden

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Hier geht es ums Ganze. «Kunst ist das größte, menschlichste und erhabenste politische Spiel», so steht es auf dem Transparent, das Hans Sachs während des Vorspiels auf der karg ausgestatteten Bühne installiert. Der Spruch wirkt zwar plakativ und pauschal, aber hier, in einer schleichend ausdünnenden Kulturlandschaft, hat er seinen Sinn.

Warum sollte man in Halle schon wieder die althergebrachte «Meistersinger»-Thematik von künstlerischer Tradition und Innovation diskutieren? In dem kulturpolitischen Rahmen, innerhalb dessen ein kleines mitteldeutsches Opernhaus das Mammut-Lustspiel stemmt, stünde so eine Diskussion auf elfenbeinernen Füßen. Denn dieser Rahmen wird heute vor ­allem von der Frage bestimmt, ob Kunst eine Finanzierung aus Steuermitteln noch wert ist oder nicht.
Die Plakat-Aktion zeigt an, dass der Katastrophenfall schon eingetreten ist: Mit ihr wird Sachsens Schlussansprache vorweggenommen, ein wütendes, einsames Plädoyer für ästhetisches Denken und Handeln. Am Ende ist Sachs dann gänzlich verlassen – der Schlusschor kommt aus Lautsprechern. Auch die übrigen Meister von Halle finden sich als vereinzelte, verunsicherte Sonderlinge mit ihrem skurrilen Hobby ...

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Opernwelt Dezember 2007
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Matthias Nöther

Vergriffen
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