Heimatlos
In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg hatte es die Oper schwer in Deutschland. Zwar wurden überall «Die Meistersinger» und «Fidelio» gespielt: Man suchte quasi mit lautem C-Dur nach Selbstvergewisserung. Doch wie konnten neue Stücke klingen? Die musikalische Sprache der Spätromantik war politisch missbraucht worden und obsolet; aber auch der Faden zu den Roaring Twenties war abgeschnitten. Serielle Musik setzte sich in der Fachwelt durch (beim Publikum kaum): Penibel durchkonstruierte Parameter und Elektronik sollten helfen, falsche Subjektivität zu meiden.
Die menschliche Stimme freilich passte dazu ganz und gar nicht: Sie ließ sich nie restlos einbinden ins perfekt berechnete Spiel der Töne. An ihr haftete, ob man wollte oder nicht, ein Rest an Körper, an Emotion, an semantischem Bezug. Wer in den Jahren nach 1945 Opern schrieb, stand deshalb schnell in dem Ruf, reaktionär zu sein.
Doch es gibt auch Gegenbeispiele. Der junge Hans Werner Henze, in Wiesbaden fürs Ballett zuständig, pfiff auf die neuen ästhetischen Dogmen und schrieb sich mit «Boulevard Solitude» frei – um wenig später nach Italien auszuwandern. Und als Karl Amadeus Hartmanns «Simplicius Simplicissimus» 1948 in ...
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Herr Wittersheim, die Ästhetik von Musiksendungen im Fernsehen hat sich in den letzten Jahren sehr gewandelt. Wie würden Sie die aktuellen Maßstäbe von ARTE vor diesem Hintergrund beschreiben?
Wir arbeiten vor allem mit drei Formaten: Opernübertragungen, Konzerte, Dokumentationen. Um mit Letzterem anzufangen: Unser Ziel bei Dokumentationen ist, eine Geschichte für...
Von manchen außerabendländischen Ohren, aber auch von minder hochkunstmäßig geübten hiesigen, wird, so liest man, theatralisches Pathos, gehobenes Sprechen insgesamt, als eine Art von Wut, von Schimpfen empfunden. In gewisser Weise haben sich Komponisten und in der ferneren Folge auch Gesangskünstler diesen wohl in die Urmenschheit zurückreichenden,...
Der letzte Tag einer Ehe, so könnte man die Geschichte von Medea überschreiben. Einer nicht besonders glücklichen Ehe natürlich, denn Medea ermordet ihre eigenen Kinder. Luigi Cherubini hat diesen mythischen Stoff 1797 vertont: ein Meisterwerk irgendwo zwischen Klassik und Romantik, das dank Maria Callas nicht ganz vergessen wurde. Derzeit erscheint es plötzlich...
