Heimatlos
In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg hatte es die Oper schwer in Deutschland. Zwar wurden überall «Die Meistersinger» und «Fidelio» gespielt: Man suchte quasi mit lautem C-Dur nach Selbstvergewisserung. Doch wie konnten neue Stücke klingen? Die musikalische Sprache der Spätromantik war politisch missbraucht worden und obsolet; aber auch der Faden zu den Roaring Twenties war abgeschnitten. Serielle Musik setzte sich in der Fachwelt durch (beim Publikum kaum): Penibel durchkonstruierte Parameter und Elektronik sollten helfen, falsche Subjektivität zu meiden.
Die menschliche Stimme freilich passte dazu ganz und gar nicht: Sie ließ sich nie restlos einbinden ins perfekt berechnete Spiel der Töne. An ihr haftete, ob man wollte oder nicht, ein Rest an Körper, an Emotion, an semantischem Bezug. Wer in den Jahren nach 1945 Opern schrieb, stand deshalb schnell in dem Ruf, reaktionär zu sein.
Doch es gibt auch Gegenbeispiele. Der junge Hans Werner Henze, in Wiesbaden fürs Ballett zuständig, pfiff auf die neuen ästhetischen Dogmen und schrieb sich mit «Boulevard Solitude» frei – um wenig später nach Italien auszuwandern. Und als Karl Amadeus Hartmanns «Simplicius Simplicissimus» 1948 in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ulrich Peters hat zu Beginn seiner Intendanz am Gärtnerplatztheater auf einen großen Namen gesetzt und mit dem siebzigjährigen Alfred Kirchner (dessen Inszenierung der «Soldaten» 1987 in Frankfurt ebenso unvergessen ist wie sein «Lohengrin» auf dem Campingplatz in Oslo) dennoch nicht das große Los gezogen. An zwei zentralen Figuren wird die Crux der Inszenierung...
m Schluss der neunzigminütigen Aufführung stolperte Hans Neuenfels wie ein großes Kind auf die Bühne des Basler Theaters: als wollte und könnte er die Begeisterung des Publikums nicht recht begreifen. Das Ritual, das sonst allerorten die Premieren beherrscht – Beifall für die Solisten und den Dirigenten, Buhs für das Regieteam – war an diesem Abend außer Kraft...
Ein szenisches Wagnis kann man den neuen «Macbeth» an der Metropolitan Opera kaum nennen. Bei seiner ersten Regiearbeit für das Haus setzte Adrian Noble, langjähriger Künstlerischer Leiter der Royal Shakespeare Company, auf einen monumentalen, prestigebewussten, luxuriösen und etwas anonymen Stil, den sein Vorgänger Trevor Nunn mit epischen Inszenierungen wie...
