Neues Hörtheater
Von den großen politischen Utopien, die das 20. Jahrhundert bewegten (und zerrissen), will heute niemand mehr etwas wissen. Seit der Systemkonflikt zwischen staatlich verordnetem Sozialismus und einem demokratisch moderierten Kapitalismus entschieden ist und man mit der Apokalypse eher die drohende Klimakatastrophe als ein atomares Armageddon assoziiert, hat auch die ehedem viel beschworene Idee ausgedient, dass die Geschichte der menschlichen Zivilisation eine Geschichte des Fortschritts sei.
Dass sich der Mensch gleichsam gesetzmäßig vom «krummen Holz» (Kant) zum «aufrechten Gang» (Bloch) aufschwingen werde, die ferne Morgenröte gelingenden Lebens fest im Blick – diese Heilsbotschaft geht (fast) nur noch als schönes Märchen durch. Der Grundton des postideologischen Zeitalters ist ein anderer: skrupulöse Skepsis statt rotbackiger Hoffnung, haltlose Suche im offenen Feld statt selbstgewisser Erlösungsfantasien.
Den Abschied von den Verheißungen «linker» Befreiungstheorien, ja vom Glauben an die verändernde Macht kritischer Aufklärung haben wenige Komponisten so schmerzlich und so konsequent durchlebt wie Luigi Nono. Die mentale Wende von einem in der italienischen KP aktiven zu ...
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«It contains nudity», warnt das Cover auf der DVD-Ersteinspielung der fragmentarisch überlieferten Vivaldi-Oper «Ercole su’l Termodonte». Tatsächlich ließ der amerikanische Bühnenbildner/Regisseur John Pascoe den attraktiven, wenn auch keineswegs herkulischen Titelhelden der Ausgrabung beim Spoleto-Festival (siehe OW 9-10/2006) antik auftreten: nackt mit...
Auf den Spielplänen unserer Schauspielhäuser tauchen sie kaum noch auf: Marius, Fanny und César, die in Frankreich unsterblichen Gestalten vom Alten Hafen in Marseille, denen Marcel Pagnol in seiner Trilogie ein wunderbar menschliches Denkmal setzte. «Zum Goldenen Anker» hieß das komplette Stück bei uns, und es wurde nach dem Krieg viel gespielt. Das Geheimnis...
m Schluss der neunzigminütigen Aufführung stolperte Hans Neuenfels wie ein großes Kind auf die Bühne des Basler Theaters: als wollte und könnte er die Begeisterung des Publikums nicht recht begreifen. Das Ritual, das sonst allerorten die Premieren beherrscht – Beifall für die Solisten und den Dirigenten, Buhs für das Regieteam – war an diesem Abend außer Kraft...
