Neues Hörtheater

Luigi Nonos «Prometeo» und die ­Folgen: Werke von Beat Furrer, Hans Zender und Olga Neuwirth

Opernwelt - Logo

Von den großen politischen Utopien, die das 20. Jahrhundert bewegten (und zerrissen), will heute niemand mehr etwas wissen. Seit der Systemkonflikt zwischen staatlich verordnetem Sozialismus und einem demokratisch moderierten Kapitalismus entschieden ist und man mit der Apokalypse eher die drohende Klimakatastrophe als ein atomares Armageddon assoziiert, hat auch die ehedem viel beschworene Idee ausgedient, dass die Geschichte der menschlichen Zivi­lisation eine Geschichte des Fortschritts sei.

Dass sich der Mensch gleichsam gesetzmä­ßig vom «krummen Holz» (Kant) zum «aufrechten Gang» (Bloch) aufschwingen werde, die ferne Morgenröte gelingenden Lebens fest im Blick – diese Heilsbotschaft geht (fast) nur noch als schönes Märchen durch. Der Grundton des postideologischen Zeitalters ist ein anderer: skrupulöse Skepsis statt rotbackiger Hoffnung, haltlose Suche im offenen Feld statt selbstgewisser Erlösungsfantasien.
Den Abschied von den Verheißungen «linker» Befreiungstheorien, ja vom Glauben an die verändernde Macht kritischer Aufklärung haben wenige Komponisten so schmerzlich und so konsequent durchlebt wie Luigi Nono. Die mentale Wende von ­einem in der italienischen KP ­aktiven zu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2007
Rubrik: CDs, Seite 55
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gefährliche Liebschaften

Unter den vielen Barockopern, die seit etwa dreißig Jahren auch klingend wieder entdeckt werden (Wissenschaftlern und Archivaren waren sie seit je bekannt), gehört Antonio Mazzonis «Il re pastore» zu den wirklich hörenswerten. Juan Bautista Otero hat sie mit der lebendig, pikant und blitzsauber musizierenden Real Compañía Ópera de ­Cámara 2006 unter dem Titel...

Zum Goldenen Opernhafen

Auf den Spielplänen unserer Schauspielhäuser tauchen sie kaum noch auf: Marius, Fanny und César, die in Frankreich unsterblichen Gestalten vom Alten Hafen in Marseille, denen Marcel Pagnol in seiner Trilogie ein wunderbar menschliches Denkmal setzte. «Zum Goldenen Anker» hieß das komplette Stück bei uns, und es wurde nach dem Krieg viel gespielt. Das Geheimnis...

«Und jetzt noch die Reblaus»

1955 wurde im «Simplicissimus» eine be­­rühmt gewordene Karikatur gedruckt. Darauf der österreichische Kanzler Julius Raab mit Zither, Wienerlieder schnulzend, umgeben von schniefenden Sow­jets. Dazu Außenminister Figl als me­phis­tophe­lischer Einflüsterer: «Und jetzt noch die ‹Reblaus›, und dann sans waach». Als Resultat dieser von Ethanol bestimmten Meetings, in...