Neues Hörtheater
Von den großen politischen Utopien, die das 20. Jahrhundert bewegten (und zerrissen), will heute niemand mehr etwas wissen. Seit der Systemkonflikt zwischen staatlich verordnetem Sozialismus und einem demokratisch moderierten Kapitalismus entschieden ist und man mit der Apokalypse eher die drohende Klimakatastrophe als ein atomares Armageddon assoziiert, hat auch die ehedem viel beschworene Idee ausgedient, dass die Geschichte der menschlichen Zivilisation eine Geschichte des Fortschritts sei.
Dass sich der Mensch gleichsam gesetzmäßig vom «krummen Holz» (Kant) zum «aufrechten Gang» (Bloch) aufschwingen werde, die ferne Morgenröte gelingenden Lebens fest im Blick – diese Heilsbotschaft geht (fast) nur noch als schönes Märchen durch. Der Grundton des postideologischen Zeitalters ist ein anderer: skrupulöse Skepsis statt rotbackiger Hoffnung, haltlose Suche im offenen Feld statt selbstgewisser Erlösungsfantasien.
Den Abschied von den Verheißungen «linker» Befreiungstheorien, ja vom Glauben an die verändernde Macht kritischer Aufklärung haben wenige Komponisten so schmerzlich und so konsequent durchlebt wie Luigi Nono. Die mentale Wende von einem in der italienischen KP aktiven zu ...
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Hier geht es ums Ganze. «Kunst ist das größte, menschlichste und erhabenste politische Spiel», so steht es auf dem Transparent, das Hans Sachs während des Vorspiels auf der karg ausgestatteten Bühne installiert. Der Spruch wirkt zwar plakativ und pauschal, aber hier, in einer schleichend ausdünnenden Kulturlandschaft, hat er seinen Sinn. Warum sollte man in Halle...
Herr Wittersheim, die Ästhetik von Musiksendungen im Fernsehen hat sich in den letzten Jahren sehr gewandelt. Wie würden Sie die aktuellen Maßstäbe von ARTE vor diesem Hintergrund beschreiben?
Wir arbeiten vor allem mit drei Formaten: Opernübertragungen, Konzerte, Dokumentationen. Um mit Letzterem anzufangen: Unser Ziel bei Dokumentationen ist, eine Geschichte für...
«Ich bin Samiel, ihr habet Teil an mir. Ich bin durch euch und komm’ durch euch zur Tat. Ihr könnt mich sehen. Doch ihr wollt blind nur sein.» Regisseur Wolfgang Lachnitt und sein Dramaturg Bernhard Lenort haben dem Bösen neue Worte in den Mund gelegt. Damit wollen sie sich nicht interpretatorisch aufplustern, nein, die Texte sind einzig dazu gedacht, die krude...
