Alles Wahnsinn
Zur Ouvertüre färbt sich das Bühnenlicht ätherisch blau. Im leichten Dunst entschwebt eine Figur gen Himmel: Lucia. Dann die Überblendung: ein großer, kahler Raum, mit hohem Fenster, in Weiß-Grau gehalten, vor das sich immer wieder schwarze Wände schieben. In der Mitte ein riesiges Bett, in dem Lucia träumt. Von ihrer Kindheit und Jugend, als sie noch mit Puppen spielte. Diese hocken als ausgestopfte Ebenbilder zu fünft rund um die Liegestatt am Boden. Dort öffnet sich plötzlich ein riesiges schwarzes Loch, in das Lucia hineinzustürzen droht.
Man sieht: Lucia di Lammermoor wird nicht im Verlauf der Handlung wahnsinnig, sondern sie hat diesen Geisteszustand bereits mit dem Beginn der Geschichte erreicht. Alles was folgt, ist Traum, Alptraum, Rückblende. Eine Frau wird zerstört – von einer männlich dominierten Umwelt, die in erster Linie mit Machtfragen, Kriegen und Intrigen beschäftigt ist. Liebe ist nur ein hohles Wort, das gelegentlich mit einer emphatischen Tenorarie gefüllt erscheint: Ismael Jordi als Edgardo absolviert das in Spiel und Gesang mit schöner Eindringlichkeit – ein romantischer Jüngling aus dem Bilderbuch, der zuvor schon «Romeo und Julia» und Goethes «Werther» ...
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