Sterben kann ich super
Es gibt Begegnungen, die den Lauf eines ganzen Lebens prägen können. Für Helen Donath waren das ein Treffen in Texas und eine Bekanntschaft in Hannover. Immer wieder erzählt die in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsene Sopranistin von einem Gespräch mit dem Bariton George London in ihrer Heimatstadt Corpus Christi, das den Wunsch befeuerte, ihr Sängerglück in Europa zu suchen.
Dass es in Deutschland Wirklichkeit wurde, schreibt sie nicht minder emphatisch ihrem Mann Klaus Donath zu, mit dem sie seit mehr als einem halben Jahrhundert auch eine innige künstlerische Partnerschaft verbindet. Schon 2003 klangen diese Schlüsselerlebnisse im Begleitheft einer Helen Donath gewidmeten «Opernwelt»-CD an. Kurz nach ihrem 80. Geburtstag haben wir die Künstlerin in ihrer niedersächsischen Wahlheimat besucht
Vielleicht war es ein Fehler, den Plattenschrank meiner Eltern aufzulösen und die Vinylscheiben an Musikfreunde zu verschenken, die noch einen echten turntable besaßen. Denn da hätte ich hören können, was Helen Donath alles im Studio gesungen hat: Oratorien, Messen und Kantaten von Bach (mit Karl Richter oder Eugen Jochum), Händel, Mozart, Beethoven oder Schubert; Frühbarockes von ...
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Opernwelt Jahrbuch 2020
Rubrik: Helen Donath, Seite 128
von Michael Struck-Schloen
Die Frage führt ins Innerste unser Wahrnehmung von Kunst und Leben: «Welche Rolle spielt Musik für die Menschen und deren Weltbeziehung?» Martin Pfleiderer und Hartmut Rosa stellen sie an den Beginn ihrer erhellenden, in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift «Musik und Ästhetik» erschienenen Betrachtungen über «Musik als Resonanzsphäre». Bereits in den einleitenden...
Wenn der Musikjournalismus stirbt, dann stirbt die Opernkritik zuletzt. Wenn auch seltener und kürzer, hält sie sich noch im Feuilleton und im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Eine Stichprobe in der Schweizer Mediendatenbank zeigt, dass die Berichterstattung sogar zunimmt. Dass die Opernkritik dabei sturmfester ist als die Berichterstattung über andere Gattungen,...
Kirill Petrenko
Für ihn gilt, weit mehr als für andere Granden seiner Zunft, ein Satz von Elias Canetti aus dessen Essayband «Masse und Macht»; ein Satz, der allzu gerne unterschlagen wird. «Der Dirigent», heißt es da relativ zu Beginn, «hält sich für den ersten Diener an der Musik. Er ist von ihr so erfüllt, dass ihm der Gedanke an einen zweiten,...
