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Wenn der Musikjournalismus stirbt, dann stirbt die Opernkritik zuletzt. Wenn auch seltener und kürzer, hält sie sich noch im Feuilleton und im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Eine Stichprobe in der Schweizer Mediendatenbank zeigt, dass die Berichterstattung sogar zunimmt. Dass die Opernkritik dabei sturmfester ist als die Berichterstattung über andere Gattungen, hat viele Gründe: Unter anderem hat die Oper ein primär bürgerliches Publikum, das noch immer traditionelle Medien nutzt.

Als die am höchsten subventionierte und gut besuchte Kunstform weckt sie in den Redaktionen zudem ein kulturpolitisches Verantwortungsbewusstsein, ihr genau auf die Finger zu schauen. Schließlich kommt der Oper – zumal an Repertoire-Häusern – die Logik des Spielbetriebs entgegen: Weil die Produktionen meist länger im Jahresprogramm stehen als Orchester- oder Jazzkonzerte, ist die Kritik nicht nur Resonanzraum für das Gewesene, sondern auch Orientierungshilfe für das potenzielle Publikum – eine Servicefunktion, die in den Kulturredaktionen immer mehr zählt.

Aber kann sich die Opernkritik darauf verlassen, dass ihr diese gattungsbedingten Vorteile das Überleben sichern? Ich denke, sie darf vor allem den ...

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Opernwelt Jahrbuch 2020
Rubrik: Wozu Musikkritik?, Seite 111
von Theresa Beyer

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