Spurensuche für die Gegenwart
Die Möbelbranche klagt: Es würden weniger Regale gekauft, sogar die Produktion stagniere. Ob das wirklich stimmt und mehr als normalen Schwankungen entspricht, bleibt abzuwarten. Aber purer Zufall dürfte es auch nicht sein. Denn kommt man in die Wohnungen des «Bildungsbürgertums», so fallen kulturelle Statussymbole auf: Klavier, gar Flügel, Bücherregale, mehr oder minder opulent bestückt mit Klassiker-Gesamt-Ausgaben, Literatur aller Art, vielbändigen Lexika und prächtigen Kunstbänden, überdies meterlange LP- und-Kassetten-Reihen.
Ebenfalls zur Bibliothek gehört(e) das Genre der Konzert-, Schauspiel-, Opern- Filmkunst- und Reiseführer. Das biografisch-kulturelle Spektrum stand auch für eine Gesellschaft, die offen für künstlerische Aufklärung war und sich für Konzert- oder Theatererlebnisse gerne präparierte oder diese nachbereitete. Von den Nachschlagewerken wurde denn auch Verlässlichkeit erwartet: breitgefächerte Thematik, triftige Auswahl, informative Charakterisierung der Werke und verbindliche Bewertung.
Damit freilich fingen die Probleme schon an, sind doch solche Kompendien meist auch Dokumente des Zeitgeists mitsamt seinen Ideologien, auch Illusionen: dem Glauben an den ...
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Opernwelt Februar 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Gerhard R. Koch
Frau Mühlemann, in der Wiederauflage der legendären «Entführungs»-Inszenierung von Hans Neuenfels an der Wiener Staatsoper geben Sie die Blonde als ziemlich kecke Britin. Was haben Engländerinnen, was Schweizerinnen nicht haben?
Das frage ich mich auch (lacht). In dieser Inszenierung, aber auch schon in der Anlage der Figur, ist Blonde sehr zickig. Es macht...
Dem europäischen Theater ist die Sorge vor der Ansteckung mit Krankheiten bereits in der Antike vertraut. Miasmen und Pesthauch, später dann Bakterien und Viren sind die unsichtbaren Akteure der europäischen Theatergeschichte. Maßnahmen der Vorbeugung, der Prävention, aber auch die Angst vor der Ansteckung und dem Fremden haben den Ort des Theaters in der...
An der Tür des Zürcher Opernhauses steht, dieses sei «bis auf Weiteres geschlossen», was an diesem Abend nicht ganz richtig ist: 50 Menschen dürfen hinein, um live Zeugen der Premiere von Verdis «Simon Boccanegra» zu werden. Später werden sie sagen können, ja, das, was im Netz zu sehen ist, hat tatsächlich stattgefunden, in diesem kalten Dezember, in dem die...
