Spurensuche für die Gegenwart
Die Möbelbranche klagt: Es würden weniger Regale gekauft, sogar die Produktion stagniere. Ob das wirklich stimmt und mehr als normalen Schwankungen entspricht, bleibt abzuwarten. Aber purer Zufall dürfte es auch nicht sein. Denn kommt man in die Wohnungen des «Bildungsbürgertums», so fallen kulturelle Statussymbole auf: Klavier, gar Flügel, Bücherregale, mehr oder minder opulent bestückt mit Klassiker-Gesamt-Ausgaben, Literatur aller Art, vielbändigen Lexika und prächtigen Kunstbänden, überdies meterlange LP- und-Kassetten-Reihen.
Ebenfalls zur Bibliothek gehört(e) das Genre der Konzert-, Schauspiel-, Opern- Filmkunst- und Reiseführer. Das biografisch-kulturelle Spektrum stand auch für eine Gesellschaft, die offen für künstlerische Aufklärung war und sich für Konzert- oder Theatererlebnisse gerne präparierte oder diese nachbereitete. Von den Nachschlagewerken wurde denn auch Verlässlichkeit erwartet: breitgefächerte Thematik, triftige Auswahl, informative Charakterisierung der Werke und verbindliche Bewertung.
Damit freilich fingen die Probleme schon an, sind doch solche Kompendien meist auch Dokumente des Zeitgeists mitsamt seinen Ideologien, auch Illusionen: dem Glauben an den ...
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Opernwelt Februar 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Gerhard R. Koch
JUBILARE
Gabriele Schnaut studierte Musikwissenschaft und Violine in Mainz und absolvierte anschließend ihre Gesangsausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt/Main bei Elisa Cavelti. Als Alt-Solistin in den Kantaten und Oratorien Bachs machte sie bereits während ihres Studiums, das sie als Stipendiatin der Studienstiftung des...
Ist’s Wirklichkeit? Ein Traum? Irgendwo in der Ferne flattert ein Vogel über die Tasten eines Flügels, unaufgeregt, leise, wie beiläufig. An seiner Seite ein Jüngling, lockenbekränzt. Und zu diesem Paar, tritt, wie aus dem Nichts, diese suggestive Frauenstimme hinzu, schwärmerisch fließend, fragil, und überzieht das asketische Klangfeld mit einem Fluidum, dessen...
Zum Salzburger Vermächtnis Gerard Mortiers gehören nicht nur die Öffnung des Musiktheater-, Schauspiel- und Konzertprogramms für die Gegenwart, sondern auch das öffentliche Nachdenken über Grundfragen unserer Zeit. Dass die Künste ihren Sinn verlieren, wenn sie kulinarisch entschärft werden, vor der unsicheren, krisenbehafteten menschlichen Existenz fliehen, war...
